Alice nervt!
18. August 2007Frauen können schon nerven. Das darf man hoffentlich sagen. Und Alice, das Blondchen aus Italien, das allerdings nicht aussieht wie eine Italienerin, sondern eher wie ein italienischer Männertraum, nämlich groß, stark und eben blond, ist ein besonders krasser Fall.
Fast drei Jahre lang war das Charlottenburger Tor von der sogenannten Stiftung Denkmalschutz Berlin mit gigantischen Werbeplanen verhüllt worden. Als die Planen dann endlich fielen, hatte sich die Stiftung schon einen neuen Coup überlegt.
Jetzt sollte das gesamte Umfeld des Tores, das im zweiten Weltkrieg zerstört worden war, in altem Glanz und Gloria als Disneyland-Neubau wiedererstehen, natürlich auch wieder unter einer lukrativen Werbeplane. Der Werbekunde der Stiftung für die ersten 18 Monate, die HanseNet Telekommunikation GmbH, bezeichnet diese Plane in einer Pressemitteilung als “schönsten ‘Bauzaun’ der Stadt“. “Ab dem 23. April [2007] verzaubert Alice die Berliner mit ihrem Lächeln,” dichtet die Pressestelle des Konzerns. “Die zwei 25 Meter hohen Komplettverkleidungen mit Alice Motiven, die ein breites rotes Alice Band über die Straße verbindet, verschönern 18 Monate lang die Baustelle am Charlottenburger Tor.” Tatsächlich verschönert Alice mit ihrem dämlichen Grinsen die Baustelle ungefähr so sehr wie Hundehaufen die Berliner Bürgersteige.
Die Idee, das frühere Umfeld des Tores mit den beiden großen Kandelabern (fast) originalgetreu wiederherzustellen, kam natürlich von den nämlichen Kräften, die auch die Baustelle vermarkten. Der Verein “Freunde der Stiftung Denkmalschutz” gründete zu diesem Zweck eigens einen Freundeskreis Charlottenburger Tor. Und der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ist wieder einmal begeistert, obwohl es diesmal definitiv keine bedrohte historische Bausubstanz gibt, deren Rettung ein erneutes dreijähriges Bewerfen der Bevölkerung mit Werbedreck rechtfertigen könnte. Wenn der Bezirk es nicht schafft, seine Bewohner vor derartigen Angriffen zu schützen, kann dann mal bitte jemand einen Verein der Feinde der Freunde der Stiftung Denkmalschutz gründen?

Im Mai war Alice, das von den “Denkmalschützern” auf die Berliner Bühne gehievte Blondchen, schon einmal Gegenstand von kreativem Widerstand. Vor dem G8-Gipfel wurde sie aus dem Plakat gesägt und durch den Spruch ersetzt: “Alice goes G-8″. Der Staatsschutz ermittelt. (Doch, wirklich. Wer diese Stadt verdreckt, der wird beklatscht. Wer Dreck beseitigt, wird verfolgt.)
Inzwischen ist Alice wieder da. Die Aussicht, ihr bei den G8-Demos über den Weg zu laufen, dürfte die Teilnehmerzahlen dort wohl kaum erhöht haben.
Ich konnte es aber nicht lassen und habe mir erlaubt, der Dame am Charlottenburger Tor mal unter den Rock zu schauen. Was ich gesehen habe, gibt nicht gerade zu Begeisterungsstürmen Anlaß. Da war nämlich nichts, außer einem Wirrwarr von Eisenstangen, die das Traggerüst für die Werbeplane bilden, und einem Haufen aufeinandergestapelter Backsteine. Von einem Arbeiter, der sich durch irgendwie geartete Aktivitäten um eine Verkürzung der verbleibenden Verschandelungszeit bemüht hätte, war weit und breit nichts zu sehen. Warum auch. Die Werbeeinnahmen fließen schließlich nur dann ausreichend lange, wenn möglichst wenig gearbeitet wird.
Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf mit CDU-Baustadtrat Gröhler hat übrigens der Stiftung Denkmalschutz Berlin das Charlottenburger Tor bis 2021 zur kostenlosen Nutzung überlassen. Die Volksvertreter verschenken einfach so das Nutzungsrecht am Gemeinschaftseigentum an jemanden, dessen “Nutzungskonzepte” im allgemeinen - gelinde gesagt - äußerst fragwürdig sind? Tja, wenn die Charlottenburger das mit sich machen lassen… In unmittelbarer Nachbarschaft zur Mercedes-Welt ist wahrscheinlich eh alles egal.
Am 19. August 2007 um 12:46 Uhr
Hat mal jemand Herrn CDU-Baustadtrat Gröhler was er persönlich dafür bekommt. Vielleicht lohnt es ja für ihn wirklich. Wolfgang Antes war schließlich auch in der CDU und Bautstadtrat in Charlottenburg.
Übrigen wer Alice nicht nimmt, bezahlt auch keine Baustadträte und verhindert zuverlässig noch mehr Werbung. Zumal ich bisher nur von Trouble mit Alice gehört hat. Die Dame soll sich nicht bereitwillig öffnen sondern sehr zickig sein.
Am 19. August 2007 um 12:56 Uhr
Was nützt eine Image-Kampangne für 10,6 Mill. Euro um mehr Touristen in die Stadt zu locken, wenn man dann seine Baudenkmäler in Werbeung einhüllt. Das freut natürlich die Touristen.
Hier regiert der Wahnsinn und nicht die Vernunft.
Am 19. August 2007 um 15:18 Uhr
In diesem Fall könnte man sogar vom “Wahnsinn auf Stelzen” sprechen.