Ein Herz für Wahnsinn

10. September 2007

“Zeitunglesen schadet Ihrer Gesundheit”, diesen Aufdruck müßte eigentlich fast jedes Druckerzeugnis tragen in einer Welt, die manchmal komplett des Wahnsinns fette Beute geworden zu sein scheint.

Die Berliner Zeitung berichtet heute in dem Artikel “Regenwald tanken” über die verheerenden Folgen des öffentlich geförderten Einsatzes von Biokraftstoffen. Deutsche Autofahrer verheizen in ihren Blechkisten zunehmend die Grundnahrungsmittel der Ärmsten in den Zurückentwicklungsländern, und selbst bei uns führt der Biodieselwahn, der in den Hohlräumen der Politikerhirne, die eigentlich im Interesse des Klimas und unseres Überlebens mit vernünftigen Konzepten zum Ausstieg aus der Konsumgesellschaft gefüllt sein sollten, sowie der Autofahrerhirne Platz gegriffen hat, bereits zu steigenden Lebensmittelpreisen.

Im Grunde genommen sagt der Artikel, der auf Äußerungen des UN-Sonderberichterstatters für das “Recht auf NahrungJean Ziegler beruht, nichts, was einem nicht schon der gesunde Menschenverstand gesagt hätte - der mir allerdings seit gefühlten Dekaden nicht mehr über den Weg gelaufen ist -, nämlich, daß es einfach ein Wahnsinn ist, in einer Welt, in der jeden Tag zig-Tausende Hungers sterben und die ökologischen Folgen intensiv betriebener Landwirtschaft allgemein bekannt sind, nun Autobenzin auf den Feldern anzubauen. Neu war für mich lediglich, daß Biokraftstoff offenbar auch noch eine negative Klimabilanz aufweist: beim Anbau dieser Pflanzen entsteht mehr Kohlendioxid als hinterher gespart wird.

Möbel Kraft am SachsendammNeues architektonisches Kleinod in Schöneberg

Dazu passend in derselben Berliner Zeitung ein Artikel über die Neueröffnung eines Möbelhauses am Sachsendamm. 21.000 Kunden kamen am Eröffnungstag, die meisten natürlich mit dem Auto, und verursachten Staus auf der Stadtautobahn, von der das Möbelhaus über eine eigens von unserer umweltbewußten Bundesregierung spendierte Ausfahrt zu erreichen ist. Der Geschäftsführer des Hauses bedauert allerdings, daß “nur” 650 Parkplätze zur Verfügung stehen.

Ein weiterer passender Artikel behandelt dann noch die Automobilausstellung in Frankfurt. Dazu bringt die Zeitung ein Interview mit Renate Künast von den Grünen, die beteuert, die Grünen hätten “ein Herz für Autos“.

Da bleibt einem erstmal die Spucke weg und dann nur noch die Flucht mit dem Fahrrad ins Echtgrüne. Dort würde wenigstens nicht der Wahnsinn regieren, dachte ich mir. Bis mein Blick auf dieses Schild fiel…

Siedlung Lindenhof im September

Ein Kommentar zu “Ein Herz für Wahnsinn”

  1. Master

    “Erst wenn der letzte Baum gerodet,
    der letzte Fluß vergiftet,
    der letzte Fisch gefangen ist,
    werdet ihr feststellen,
    daß man Geld nicht essen kann.”

    Weisheit der Indianer

    Quelle: http://www.berndsenf.de/pdf/WeisheitDerIndianer.pdf

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