Fußgänger sehen rot
18. April 2007Anläßlich der Berliner Abgeordnetenhauswahlen 2006 stellten sich die Kandidaten auf der Internet-Plattform Kandidatenwatch den kritischen Fragen der Bürger. Der Kandidat der SPD für den Wahlkreis 2 in Tempelhof-Schöneberg, Lars Oberg, wurde dabei von mehreren Fragestellern auf die fußgängerunfreundlichen Ampelschaltungen im Bezirk angesprochen. In seiner Antwort erklärte er:
“Für mich ist jedenfalls klar, dass der jetzige Zustand nicht hinnehmbar ist, und dass Fußgänger als mindestens gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer behandelt werden müssen. Angesichts der Tatsache, dass viele Kinder, Familien und ältere Menschen zu Fuß durch unseren Bezirk gehen, müsste über einen generellen Vorrang von Fußgängern nachgedacht werden.”
Oberg versicherte, er werde sich an den “Vorsitzenden des Bauausschusses in der Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg” wenden und “darauf drängen, dass hier fußgängerfreundliche Lösungen gefunden werden”.
Das war vor acht Monaten. Müssen wir uns Sorgen machen? So lange kann doch auch ein Vorsitzender des Bauausschusses nicht in Urlaub sein! Geschehen ist nämlich seitdem absolut nichts.
Eines der auf “Kandidatenwatch” genannten Beispiele für katastrophale Ampelschaltung war die Goebenstraße bzw. Yorckstraße in Höhe der Mansteinstraße. Dort dauert die Grünphase für Fußgänger auch heute noch 7 Sekunden, die Rotphase ca. 1 Minute 3 Sekunden (gemessen an einem Werktag gegen 19 Uhr). Dies bedeutet, die Fußgänger haben nicht doppelt so lange, nicht dreimal so lange, sondern satte neun mal so lange rot wie grün.
Aber das ist noch nicht alles. Die Goeben-/Yorckstraße ist nämlich eine sechsspurige Schnellstraße mit Grünstreifen in der Mitte. In sieben Sekunden erreicht ein Fußgänger dort bei zügigem Gehen mit Mühe und Not den Mittelstreifen, wo er dann eine weitere Minute lang auf die zweite Grünphase warten kann. Wenn er Pech hat, wartet er also 2 Minuten und 6 Sekunden, um eine Straße überqueren zu dürfen.
In anderen Bezirken Berlins sieht es natürlich auch nicht viel besser aus. Der “rot-rote” Senat, der sich so um die Umwelt sorgt, daß er nur noch die Besitzer nagelneuer Blechkisten in die Innenstadt lassen will, bedankt sich bei den umweltbewußtesten Verkehrsteilnehmern, den nicht-motorisierten, mit einem Schlag ins Gesicht. Da die SPD die Wahl trotzdem gewonnen hat, müssen wir wohl davon ausgehen, daß die Fußgänger und Radfahrer Berlins auch weiterhin in jeder Beziehung “rot” sehen werden.
Am 22. April 2007 um 13:54 Uhr
So ist das bei einer Rot/Roten Regierung, das muss man halt zweimal warten bis es weitergeht (oder auch um bloß über die Straße zu kommen). Bei Rot/Grün geht es vielleicht schneller. Die anderen Farben sind ander Ampel nicht alle dran. Wer weis was bei Schwarz passiert. Ich habe aber einen Vorschlag für die Braunen von der NPD. Wenn die Ampel braun zeigt, sofort umdrehen und den Weg zurück gehen. Es droht Gefahr. Mach weiter so.
Am 21. Juli 2007 um 20:08 Uhr
[...] sie dem wackeren Lars Oberg, seines Zeichens Abgeordneter der SPD für unseren Wahlkreis. (Zwar warten wir immer noch auf die Einlösung der Wahlversprechen des Herrn Oberg vom September 2006, aber der Mann kann ja [...]