K. und der Mann auf der Treppe

16. Januar 2008

Als K. vom alten Lokschuppen zurückkehrte, war es schon dunkel. An den Straßenlaternen baumelten die Intelligenten. An einem Laternenmast lehnte eine laszive Schönheit mit langen Haaren und wirrem Blick. “Optimiert für 1600 x 1200 Pixel,” hatte man ihr auf die Stirn tätowiert. In einem dunklen Hauseingang auf der anderen Straßenseite wartete ihr “Beschützer”.

Als K. vorbeiging, streckte sie die Hand aus und lallte, daß sie ihr Handy verloren habe und Geld brauche. K. deutete nur wortlos auf die Reklamefolie mit der Aufschrift “Geiz ist geil“, die auf das Trottoir geklebt war.

Er bog in die Straße ein, die Michael Naumann gesponsert hatte, und dachte an den Lokschuppen. Carlos hatte sich am Fuß verletzt und gemeint, man werde wohl aufgeben müssen. Mißler hatte nur die ganze Zeit stumm auf seinem Schrotthaufen gesessen und mit weit aufgerissenen, aber leblosen Augen in die zunehmende Dunkelheit gestarrt.

K. schloß die Haustür auf und betrat das Haus. Auf der Treppe hörte er hinter sich Schritte. Jemand mußte ihm gefolgt sein und nach ihm durch die Tür geschlüpft sein, bevor diese wieder ins Schloß fiel. Vor seiner Wohnungstür blieb K. stehen und drehte sich um. Ein dicklicher, etwas aufgedunsener Mann um die 30 mit Stoppelbart stürmte die Treppe herauf. Als er sah, daß K. ihn anblickte, wandte er das Gesicht ab und hastete grußlos an K. vorbei weiter nach oben. K. betrat die Wohnung und schloß hinter sich die Tür. Er hörte, wie der Mann auf der Treppe kehrt machte und wieder hinunter lief, dann das Haus verließ und sich auf der Straße entfernte. Vermutlich, um Bericht zu erstatten.

Schöneweide

Kommentar schreiben:

(Kein Cursor in Eingabefeldern? Bekannter Bug der Mozilla/Firefox-Browser. Die Texteingabe funktioniert, nur der Cursor ist nicht sichtbar.)