Der Brief

18. Januar 2008

Gestern erhielt eine mir bekannte Person einen wichtigen Brief. Ausweislich des Poststempels war der Brief genau einen Monat zuvor, am 17. Dezember 2007, abgeschickt worden. Die Adresse war korrekt: Klaus-Zumwinkel-Str. 1. Unter dem Adressfeld klebte ein Aufkleber mit folgendem Text:

Sdg nachadressiert wg. unkorrekter Anschrift
Bitte Abs. verständigen! Deutsche Post

ermittelte Anschrift:

Klaus-Zumwinkel-Str. 1A

Dies warf empfängerseits zwei Fragen auf.

Erstens: wieso braucht die Post einen Monat, um eine falsche Anschrift zu “ermitteln”? Ich, beispielsweise, könnte falsche Anschriften praktisch im Sekundentakt “ermitteln”. Angela Merkel, Straße der sozialen Verantwortung 1, Wolfgang Schäuble, Große Freiheit 1A, Friedbert Pflüger, Platz der Muffkrücke, …

Zweitens: meint die Post das ernst, daß man nun alle Bekannten bitten soll, die Briefe zukünftig falsch zu adressieren, damit sie richtig ankommen?

Um diese Fragen zu klären, suchte die Person das Postamt ihres verlorenen Vertrauens auf. Am Schalter erklärte man ihr, alle dort tätigen Personen seien Bedienstete der Postbank und somit unzuständig. Briefe und sonstige Sendungen bearbeite man lediglich im Auftrag. Ein Auftrag, auch Reklamationen zu bearbeiten, liege aber nicht vor. Dafür befände sich im Vorraum ein Service-Telefon.

Im Hörer des Service-Telefons tutete es unentwegt. Keine Schnulzenschleife, keine Automatenstimme, nur Tut-Tut-Tut.

Science fiction? Nein, Ausverkauf Deutschlands.

Kommentar schreiben:

(Kein Cursor in Eingabefeldern? Bekannter Bug der Mozilla/Firefox-Browser. Die Texteingabe funktioniert, nur der Cursor ist nicht sichtbar.)