Wie die Kinder
21. April 2007Manchmal benehmen sich Erwachsene wie Kinder. So zum Beispiel die Gegner der Schließung des Flughafens Tempelhof. Seit 1996 ist die Schließung dieses Flughafens (bzw. “Airports”, wie die Medien und Insider zu sagen pflegen) beschlossene Sache. Und seit 1996 werden die Gegner der Schließung nicht müde, gegen diese Entscheidung zu klagen und zu agitieren. Sie erinnern an kleine Kinder, denen man hundert mal gesagt hat: “Es gibt kein Eis”, und die doch immer weiter quengeln: “Ich will Eis, ich will Eis”.
Tatsache ist, daß der Flughafen Tempelhof aufgrund seiner Architektur und seiner himmlischen Ruhe (die natürlich eine Folge des bereits stark eingeschränkten Flugbetriebs ist) wohl zu den angenehmsten Flughäfen der Welt gehören dürfte.
Tatsache ist weiter, daß der Flughafen inmitten dichtbesiedelter Wohngebiete liegt und unzählige Menschen durch einen intensiveren Flugbetrieb an diesem Standort gefährdet und belästigt würden.
Tatsache ist drittens, daß die Befürworter der Offenhaltung dieses Flughafens gar kein Interesse an einer Weiterführung des Linienflugbetriebs haben. Ihnen geht es um ganz andere Dinge. Sie wollen aus Tempelhof einen “Business-Airport” für die Privat-Maschinen der Ackermänner dieser Welt machen. Weitere absurde Vorschläge beinhalten z. B. die Umwandlung der Flughafengebäude in ein Luxus-Krankenhaus für Ölscheichs, die natürlich im eigenen Privatjet bis ans Krankenbett fliegen wollen. (Warum man dieses Krankenhaus nicht in Abu Dhabi baut, ist unbekannt.)
Tatsache ist viertens, daß die Befürworter praktisch ausnahmslos nicht selbst in der Einflugschneise wohnen. Dies kann man z. B. sehr schön anhand der Antworten der Kandidaten zur Abgeordnetenhauswahl 2006 in Kandidatenwatch nachvollziehen (vorausgesetzt natürlich, man weiß, wo die betreffenden FDP- und CDU-Politiker wohnen).
Auch in den Tageszeitungen erscheinen gerne Leserbriefe von Menschen aus Brühl bei Köln oder Kleinmachnow, die sich nichts sehnlicher wünschen, als daß die Bewohner von Schöneberg, Neukölln und Tempelhof unter mehr Fluglärm und Gestank zu leiden haben mögen.
Tatsache ist fünftens, daß es den Befürwortern recht gut gelungen ist, die Medien zu instrumentalisieren. In der Berliner Zeitung z. B. geraten “Verkehrsexperte” Peter Neumann, Christine Richter u. a. regelmäßig ins Schwärmen über “Airports”, “Airlines” usw. Tempelhof wird dabei immer nur unter dem rechtlichen Aspekt der Auswirkungen auf den geplanten Großflughafen BBI gesehen, während die Auswirkungen eines Weiterbetriebs mit den besonders lauten Privatflugzeugen auf Anwohner und Umwelt überhaupt kein Thema sind.
Und Tatsache ist schließlich sechstens, daß viele Menschen dieser Meinungsmache offenbar auf den Leim gegangen sind und sich bereitwillig an dem Volksbegehren für mehr Umweltzerstörung und mehr Lärmbelästigung ihrer Nachbarn in anderen Bezirken beteiligen, ohne zu merken, daß sie gar nicht zu den oberen Zehntausend gehören, die von einem Weiterbetrieb als “Business-Airport” profitieren würden.
Zum Glück gibt es allerdings auch noch ein paar Vernünftige.