sei irrweg?
23. März 2008Ein Leser namens Robert Irrgang hat im Blog der Bürgerinitiative Gasometer einen Kommentar geschrieben, zu dem ich hier ein paar Worte sagen möchte, da das Kommentieren bei der BI aufgrund eines Fehlers bei der Seitengenerierung (der allerdings in nicht normgerechten Browsern wie dem von Microsoft unsichtbar zu sein scheint) derzeit nicht möglich ist.
Herr Irrgang stellt sich als Berliner Jungunternehmer (24) vor. Er liebe Berlin, weil es “die Stadt mit der größten, impulsivsten und zukunftsträchtigsten Entwicklungschance” sei. Es sei “schön zu beobachten und zu verfolgen, wie sich die Stadt entwickelt,” und sein Motto sei: “Wer die Jahre der Entwicklung in Berlin nicht miterlebt, hat das Beste seines Lebens verpasst.”
Entwicklung, Veränderung, Wandel, Reform, Fortschritt, das neue Ariel, die neue Fanta und der neue Corsa - das sind die Schlagwörter, mit denen die Bürger dieses Landes seit den “Wirtschaftswunder”jahren unablässig bombardiert worden sind (zuletzt von Klaus Wowereit bei der Präsentation seiner neuen Werbekampagne), und mit Erfolg, wie man an der Vielzahl der Menschen ablesen kann, bei denen sie offenbar inzwischen das eigene Denken ersetzen. Wie hat man es nur geschafft, so schnell Menschen zu klonen, die nur noch nach Wandel und Entwicklung schreien, ohne zu unterscheiden zwischen positiver und negativer Entwicklung, positiver und negativer Veränderung? Oder können diese Menschen in ihrem persönlichen Bereich sehr wohl zwischen positiven und negativen Entwicklungen unterscheiden und verkaufen nur den Rest der Menschheit für dumm, weil eine negative Entwicklung für den Rest der Menschheit eine positive für sie selber ist? Wenn man Ihnen, Herr Irrgang, Ihr gesamtes Vermögen aus der Tasche zöge, würden Sie das dann auch als willkommene Abwechslung/Veränderung/Entwicklung empfinden?
Ergänzt wird die Irrgang’sche Ode an die Entwicklung durch ein weiteres klassisches Totschlagargument: die Arbeitsplätze. “Manchmal stehen sich die Menschen selbst im Wege. Alle wollen Arbeit, werden Arbeitsplätze geschaffen in ihrer näheren Umgebung, ist aber keiner bereit Kompromisse einzugehen,” schreibt er.
Auch dieses Argument ist bemerkenswert und symptomatisch für den “Paradigmenwechsel” in unserer Gesellschaft. War Arbeit früher ein Mittel zur Befriedigung positiver gesellschaftlicher Bedürfnisse, so ist sie heute ein Wert an sich. Was Arbeit schafft, ist gut. Niemand wagt mehr, nach der Relevanz oder gar dem Nutzen der geleisteten Arbeit für die Allgemeinheit zu fragen. Ein Arbeitsplatz, das kann aber eine Hebamme genauso wie ein Waffenhändler sein, ein Künstler, an dessen Werken sich noch spätere Generationen erfreuen, genauso wie ein Werbefuzzi, der seine Mitmenschen nur mit einfältigen Sprüchen nervt.
Eine Gesellschaft, die nur noch Arbeit bezahlen kann oder will, die auf Kosten der Umwelt und/oder der Allgemeinheit verrichtet wird, eine Gesellschaft, in der nur noch Branchen boomen, die mit Lobbyismus, Werbung, Verdummung, dem Handel mit heißer Luft oder der Förderung umweltschädlichen Verhaltens zu tun haben, die hat ein riesiges Problem.
Bezüglich des Gasometerprojekts wäre deshalb zu fragen:
- Was sind das für Arbeitsplätze, die da geschaffen werden sollen, und worin besteht ihr gesellschaftlicher Nutzen oder Schaden?
- Wer garantiert, daß diese Arbeitsplätze wirklich geschaffen werden und nicht nur hohle Versprechungen sind?
- Warum können diese versprochenen Arbeitsplätze nicht auf irgendeiner anderen der in Berlin noch massenhaft vorhandenen Freiflächen geschaffen werden, wo kein erhaltenswertes Denkmal dem Schaffensdrang der Entwickler Grenzen setzt?
Auch in der bereits erwähnten Werbekampagne “be berlin” findet sich übrigens der Zeitgeist und das ihm entsprechende neue Verhältnis zur Arbeit treffend widergespiegelt. Da zeigen große Plakate eine üppig strukturierte angebliche Rütli-Schülerin in leicht herausfordernder Pose unter dem Slogan: “sei straße - sei laufsteg - sei berlin“. Der Senat fordert also Schülerinnen dazu auf, eine Karriere als Prostituierte oder Model anzustreben? Oder soll man nur “straße” sein, um sich schon mal daran zu gewöhnen, getreten zu werden? Dann wäre “sei fußabtreter” vielleicht der bessere Spruch gewesen.
Im Kleingedruckten heißt es dann noch: “Die Rütli-Schüler lassen sich nicht abstempeln.” Die dazu abgebildete Dame trägt ein Gewand mit der dicken Aufschrift “Rütli”. Sie hat sich offenbar doch abstempeln lassen.
Diese Werbekampagne ist also ein einziger peinlicher Verdummungsversuch. Aber zum Glück ist sie zu dumm gemacht, um wirkungsvoll zu sein. Und sie schafft Arbeit. Genau wie das Projekt von Reinhard Müller.
Am 23. März 2008 um 19:03 Uhr
Ich liebe 24 jährige Unternehmer die sich für den Fortschritt, oder vielmehr für das, was sie für den Fortschritt halten, noch so richtig begeistern. Da wird der Name dann sehr leicht Programm.
Aber zumindest hat er schon mal die richtigen Feindbilder. Diese Parteien und Personen die alle immer nur negativ sehen, was er doch so toll findet. Vor allem weiß er das die Menschen die sich selbst im Wege stehen zu ihrem Glück gezwungen werden müssen.
Ich tippe mal auf Jung-FDPler aus der nebenbei in Mode macht, und großer Immobilienkaufmann werden möchte. Alles verständlich und so weit ja auch in Ordnung. Das er die Welt und insbesondere Berlin noch nicht kennt, ist nicht weiter verwunderlich, wo soll es auch herkommen.
Allerdings würde ich gerne mal mit diesem aufgeweckten jungen Mann durch die Stadt gehen und ihm zeigen wo die Milliardengräber sind, die der Steuerzahler alle übernehmen musste. Ob er am Ende dieser Rechnung zur Vernunft kommt, wage ich zu bezweifeln. Die von der FDP haben ja einen Ehrenvorsitzenden der Ehrenvorsitzender wurde weil er Steuern hinterzog und bei der Steuerhinterziehung half. Die glauben sie müssten nie bezahlen.
Ansonsten wird das eine teure Ruine, aber wen störts, der Steuerzahler hat es ja.
Am 24. März 2008 um 15:48 Uhr
Ja, mit solchen Jungunternehmern habe ich auch manchmal meine Probleme. Fast hätte ich was von der “magischen Zahl 24″ geschrieben. Aber für manche sind sie offenbar ganz nützlich. Und es gibt natürlich auch Ausnahmen.
Am 24. März 2008 um 19:32 Uhr
Recht hatter mal wieder, der Glöckner. Arbeitsplätze? Totschlagargument. Der Konzern Gasprom wird seine Konzernzentrale auch so in Berlin errichten, die Führungskräfte werden bereits in der Presse gesucht. Verträglicher wäre das aber auf der grünen Wiese.
Am 25. März 2008 um 02:16 Uhr
Alexander, soll Gasprom etwa in den Müller-Bau ziehen? Das würde erklären, warum ein Russe bei der neuen “EUREF Aktiengesellschaft” im Vorstand sitzt.
Dann hätten wir ja ein Top-Unternehmen in der Nachbarschaft - geadelt von einem Top-Altbundeskanzler.
Die Schöneberger Insel wird wirklich langsam zum Nabel der Welt…
Am 12. April 2008 um 22:18 Uhr
admin: Ja. Es ist eine Tatsache, dass Müller und Groth die Vorarbeit für einen Moskauer Immobilienentwickler namens “Golutwinskaja Sloboda” machen. Dessen Geschäftsführer Andrej Ogirenko ist seit dem 11.03.2008 in den Vorstand der “Euref”, die wiederum in den Firmenräumen von Bauunternehmer Groth residiert, eingerückt. Das ist ein übliches Vefahren bei derartigen Projekten. Der Geldgeber kommt zum Schluss hinzu und schickt einen Mittelsmann in den Vorstand der neuen Gesellschaft.
Und es ist meine ganz feste Meinung, dass hinter Herrn Ogirenko Gasprom steht und auf dem Gasometer-Gelände die Europazentrale mit angeschlossenen Nutzungen bauen will. Es spricht sehr viel dafür. Vor allem stimmen einige Faktoren, die Energiekonzerne, russische Oligarchen und Alt-Bundeskanzler gleichermaßen schätzen dürften:
1. Direkte Autobahnanbindung (mit der Limo diskret in die Tiefgarage)
2. Leicht abzuschottendes Gelände. Das Gasometer-Gelände ist extrem gut abzuriegeln.
3. Hohe Bebauung. Mann gönnt sich ja sonst nichts.
4. Gasag und Gasprom - da kommt doch auch imagemäßig zusammen, was zusammen gehört.
Bis jetzt ist Russland Fakt, Gasprom aber noch nicht beweisbar. Demnächst mehr dazu bei http://www.bi-gasometer.de.
Am 13. April 2008 um 18:11 Uhr
Punkt 4 hatte mich auch auf die Idee gebracht.
Punkt 2 könnte bedeuten, daß wir hier eine Installation ähnlich dem früheren Mauerstreifen bekommen. Nur macht man sowas heute etwas transparenter. Etwa wie hier.
Jetzt sollten wir aber Schluß machen. Sonst enden wir noch wie Litwinenko.
Am 20. September 2008 um 21:21 Uhr
Hallo,
zu euren oben genannten Fragen:
1. Was sind das für Arbeitsplätze, die da geschaffen werden sollen, und worin besteht ihr gesellschaftlicher Nutzen oder Schaden?
Ich habe euch mal aufgeschrieben wer alles am Bau beteiligt ist, so wie es aussieht muß ich es euch wie im Kindergarten erklären.
z.B. Baustellenabsicherung, Bauzeichner, Baggerfahrer, LKW-Fahrer, Vermessungstechniker, Kranführer, Gerüstbauer, Maurer, Elektriker, Maler, Tischler, Zimmermann, Handwerker im Bereich Heizung-Sanitär, nicht zu vergessen die Arbeiter die das Material herstellen, vieleicht ist es dann aber auch ein Waffenhändler, wenn das Gasometer-Glände nicht bebaut wird.
Dann kommen wir auch gleich zur zweiten Frage: wenn keine neuen Arbeitsplätze geschaffen werden, dann bleiben wenigstens die alten Arbeitplätze erhalten.
3. Warum können diese versprochenen Arbeitsplätze nicht auf irgendeiner anderen der in Berlin noch massenhaft vorhandenen Freiflächen geschaffen werden, wo kein erhaltenswertes Denkmal dem Schaffensdrang der Entwickler Grenzen setzt?
ganz einfach, egal wo etwas neues gebaut oder entwickelt wird, sind die Menschen dagegen siehe SPREE MEDIA, oder der neue Flughafen. Ihr rennt immer gleich gegen die Wand und macht alles schlecht, dass kotzt mich an der heutigen Gesellschaft tierisch an. Ihr hättet damals bestimmt auch die erste Dampflok, oder das erste flugzeug verboten. Im weiteren Textverlauf kann man herraus lesen, dass der Verkehr durch dieses Bauprojekt steigen wird, ca. 200 Menschen sind für diese BI und bestimmt benutzen mehr als die Hälft Autos, dann sollen die doch Ihre Autos verkaufen und schon gibt es ca. 100 Autos weniger in dieser Region und wenn jetzt einer schreibt ” die sind aber auf ihre Autos angewiesen”, dann sag ich “das sind andere auch”. Im ganzen habt Ihr zuviel Zeit.
Zum Thema Steuerzahler: kein Mensch ( auf dieser Internetseite ) regt sich über die Arbeitslosen auf, dass kostet jede menge Geld.
Am 21. September 2008 um 11:42 Uhr
Schade, daß Denktätigkeit, selbst wenn sie von anderen verrichtet wird, bei Ihnen so allergische Reaktionen auslöst.
Den Presseberichten zufolge sollen auf dem Gasag-Gelände Einrichtungen für Lobbyismus entstehen. Daß Energiewirtschaft und Autoindustrie ihren Lobbyismus mit Tischlern und Maurern betreiben, ist mir neu.
Falls Sie sich ausschließlich auf die Bauzeit beziehen, muß ich Sie fragen: was machen denn die von Ihnen aufgezählten Leute, wenn in ein paar Jahren die Arbeiten beendet sind? Weiterziehen, mit ihrem ganzen Troß von Ressourcen und Energie verschlingenden und die Umwelt verpestenden Maschinen, und die nächste Fläche sinnlos zubauen, bis überall alles zugebaut ist? Das sieht mir nicht nach einer weitsichtigen (neudeutsch: “nachhaltigen”) Beschäftigungsstrategie aus.
Genauso schlagkräftig ist auch Ihr Argument zur Verkehrsfrage. 2000 Stellplätze will Müller bauen. Wenn 100 BI-Mitglieder dafür auf ihr Auto verzichten, sind das dann nur noch 1900 Autos mehr als bisher. Geniale Lösung.
Am 24. September 2008 um 09:29 Uhr
Umwelt verpesten? Benutzen Sie keine Energie? Natürlich ziehen die Arbeiter nach 2-3 Jahren weiter, wenn jeder Mensch so denken würde wie Sie, dann würden wir noch immer in der Steinzeit sitzen. Keine neuen Bauprojekte, wie z.B. keine erweiterung der Wohnfläche, bedeutet keine Konkurrenz, somit höhere Mieten, ganz einfach. Ach ja nochmal zum Thema Steuergelder: Das Gelände wird von einem Privaten Investor finanziert, wenn das Projekt pleite geht, oder zur Ruine wird, muß er dafür bezahlen nicht der Steuerzahler. Ihre Argumente sind lächerlich, Ihr findet immer neue Ausreden, so wie es aussieht kommt Ihr im Leben nicht weiter.
Am 25. September 2008 um 11:04 Uhr
@ BI kotzen mich an!!!
BI’n haben in der Vergangenheit so manchen Planungsfehler korrigiert oder das Umsetzen fehlerhafter Planungen verhindert.
Merke: Nicht jeder der investiert hat das Ganze im Blick!
Seit wann muss der Steuerzahler nicht die Fehlplanungen privater Investoren zahlen?
Merke: Eine (private) Investitions-Pleite ist immer auch eine gesellschaftliche.
Kommt im Leben nur weiter wer alles gut heißt was passiert?
Merke: Wer kämpft kann gewinnen, wer nicht kämpft hat schon verloren.
Am 25. September 2008 um 12:22 Uhr
Außerdem kapieren viele offenbar gar nicht, worum es beim “Investieren” überhaupt geht. Da kommt doch nicht jemand mit viel Geld und schenkt es der Allgemeinheit. Die kommen mit etwas Geld und ziehen mit viel, viel mehr Geld wieder ab. Woher kommt das Geld wohl, das die Investoren als Gewinn einstreichen?
Diese Frage ist aber nicht an “BI kotzen mich an!!!” gerichtet. Für mich gibt es ein gewisses Mindest-Niveau, unter dem ich nicht diskutiere, weil es sinnlos ist.
Am 26. September 2008 um 20:26 Uhr
Eure BI ist sinnlos!!!!! Ich habe auch keine Lust mehr, mit euch zu diskutieren, vorallem die, die ein IQ wie die jetzige Außentemperatur besitzen.
Am 29. September 2008 um 15:32 Uhr
@ BI kotzen mich an!!!
Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.
Am 30. September 2008 um 15:51 Uhr
@guehart!!!!
Ich mein euch, nur mal so zur Info, selbst das kapiert Ihr nicht.