Crash-Kurs “Sponsoring”
14. Mai 200853 % der Deutschen glauben, der Euro sei schuld daran, daß sie immer weniger in der Tasche haben. Man bräuchte den Euro nur wieder umzutaufen in Mark, und alle Probleme seien behoben.
Mindestens ebenso vielen Deutschen stehen Tränen der Rührung und Dankbarkeit in den Augen, wenn ein Sponsor wieder einmal in die Tasche greift und ein paar Millionen - Euro oder was auch immer, das ist bei dieser Größenordnung egal - seines schwer und ehrlich erarbeiteten Geldes unter das Volk streut.
Ja, es gibt sie noch, die guten Reichen. Hier ein paar Millionen für eine Schule, eine Universität sogar, da ein paar Millionen für ein Museum oder Theater, für den Sport sowieso, und schon liegen ihnen die Politiker aller Couleur winselnd vor Glück zu Füßen, und die Bevölkerung gibt für die nächsten zehn Jahre wieder bereitwillig ihren Restgeist auf.
Auch mir kommen bei solchen Gelegenheiten immer die Tränen. Tränen der Trauer und der ohnmächtigen Wut über die 53 und mehr Prozent.
Deshalb heute ein kleiner Nachhilfekurs zu diesem Thema. (Keine Angst, mein Crash-Kurs ist zwar hart, aber fair. Hier braucht man kein Diplom einer Elite-Universität in Volksverdummung. Hier reicht ein bißchen gesunder Menschenverstand, wie ihn früher jeder Bauer besaß, der auf seinen Feldern Lebensmittel anpflanzte statt den Sprit, den sein Traktor auf der Fahrt zum Supermarkt verbraucht.)
Erste Frage: Sponsoren geben freiwillig Millionen und Abermillionen für öffentliche Aufgaben aus. Was zeigt uns das? Daß diese Menschen ein gutes Herz haben?
Falsch. Es zeigt, daß sie sogar nach ihren eigenen, sicherlich nicht sehr bescheidenen Maßstäben Geld übrig haben.
Wieso haben sie so viel Geld übrig?
Weil sie gemessen an ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit zu wenig Steuern zahlen.
Warum ist die "öffentliche Hand", also der "Staat", heute nicht mehr in der Lage, die Leistungen für die Allgemeinheit zu erbringen, die früher selbstverständlich waren?
Weil die Spitzenverdiener und Konzerne heute, gemessen an ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit, zu wenig Steuern zahlen.
Warum macht das nach Meinung der Politiker nichts?
Weil die Spitzenverdiener und Konzerne einen Teil ihrer Steuerersparnisse dafür verwenden, öffentliche Aufgaben zu übernehmen.
Warum übernehmen die Spitzenverdiener und Konzerne freiwillig öffentliche Aufgaben?
a) Weil es ihr Image verbessert und den Druck nach Veränderung abschwächt.
b) Weil sie so selbst bestimmen können, wofür in unserer Gesellschaft Geld ausgegeben wird und was für Aktivitäten gefördert oder verhindert werden. Weil sie also Macht übernehmen können.
Warum nehmen die Politiker die teilweise Machtübernahme durch die Privatwirtschaft bereitwillig hin?
Weil sie dadurch weniger Arbeit haben. Sie brauchen die Erbringung der öffentlichen Leistungen nicht mehr selbst zu organisieren und können sich wichtigeren Themen, wie z. B. dem Rauchverbot in Gaststätten, zuwenden.
Auf welche andere Weise könnten Politiker noch von dieser jetzigen Regelung profitieren?
Diese Frage stelle ich meinen Lesern als Hausaufgabe.
Zusammenfassung des bisher Gelernten:
"Sponsoring" ist die werbewirksame teilweise Rückzahlung vorenthaltener Steuern bei gleichzeitiger partieller Machtübernahme im Staat.
Am 14. Mai 2008 um 15:31 Uhr
Die Rückzahlung erfolgt aber nur in homöopathischen Dosen. So ca. 1 zu 100 Millionen.