Hilfe! Klaus Wowereit an Armutsgrenze!
29. Mai 2008Sieht aus wie eine Zeitung, färbt ab wie eine Zeitung, enthält dümmliches Geschreibsel wie eine Zeitung: die Beilage “TRANSPORT IN BERLIN” zur Berliner Zeitung vom 29.05.
Da erfährt man zum Beispiel, daß der Straßenverkehr bezüglich Abgas- und Feinstaubbelastung gar kein Problem darstellt und daß dieses gar nicht vorhandene Problem “der technische Fortschritt alleine [...] in einigen Jahren lösen” könne.
In einem anderen Beitrag wird ein neues Patentrezept zur Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr vorgestellt: die Verbesserung der Sichtbarkeit durch “retroreflektierende Heckwerbung“, also auf die Fahrzeuge geklebte Reklamefolien. Geschrieben wurde dieser Artikel vom “Multi-Technologieunternehmen 3M“, das vermutlich die Folien herstellt.
Schaut man genau hin, entdeckt man tatsächlich im Kopf jeder einzelnen Seite dieser Beilage das kleingedruckte Wort “ANZEIGE”.
Produziert wurde die Anzeigensammlung, deren subtile Meinungsmache so unverschämt ist, daß man den Machern am liebsten in ihr - sicherlich retroreflektierendes - Heck treten würde, von der “MEDIAPLANETGROUP”, “MIT DER REICHWEITE EINER TAGESZEITUNG UND DEM FOKUS EINER FACHZEITSCHRIFT”. “Mediaplanet ist die weltweit führende Medienfirma, spezialisiert in Produktion, Finanzierung und Distribution von Themenzeitungen in der Tagespresse und in Wirtschaftsblättern.”
Das überraschendste an diesem Druckerzeugnis ist aber das Geleitwort. Es stammt vom “berliner [sic] Bürgermeister Klaus Wowereit“. (”Der Fall der Berliner Mauer vor knapp 20 Jahren hat ganz Europa verändert“, “Berlin stellt sich mit vernetzten Lösungen der Herausforderung“, usw. usf.)
Sehr geehrter Herr Wowereit, ich fühle mich durch Ihre Beteiligung an dieser Werbeaktion verarscht! Hier wird Reklame verteilt, die durch die Aufmachung den Anschein erwecken soll, das Ergebnis seriöser journalistischer Arbeit zu sein, und die in Wirklichkeit übelste Volksverdummung durch die Wirtschaft darstellt. Und Sie geben diesem Betrugsversuch am Leser (denn als solchen empfinde ich das) noch einen offiziellen Anstrich, indem Sie Ihr Konterfei und Ihren Geleitworterguß dafür hergeben, obwohl Ihre eigene Politik, z. B. die Umweltzone, in diesem Machwerk kritisiert wird.
Wenn es Ihnen materiell so schlecht geht, daß Sie auf Werbeeinnahmen angewiesen sind, dann sollten Sie das offen sagen und Ihr Spendenkonto angeben. Es gibt sicher genügend Bürger in Berlin, die Sie nicht im Regen stehen lassen würden. Auch ich würde Ihnen eventuell noch eine Motz abkaufen. Schon allein, um Sie nicht demnächst auch noch in Unterwäsche-Werbung besichtigen zu müssen.