Klimawandel muß verschoben werden

3. Juni 2008

Deutsche fordern: Spritsteuer senken“, meldete die Berliner Zeitung am Montag ganz groß auf ihrer Titelseite. Der dazugehörige Artikel stammte von einem Journalisten namens Jakob Schlandt.

Ein Foto auf einer Seite der Bundesagentur für Arbeit zeigt Schlandt mit seinen Arbeitsmitteln “Notizblock und Stift vor Kaffeetasse” sowie Dreitagebart. Dazu der Text: “Jakob Schlandt (27) hat den Einstieg in den Tageszeitungsjournalismus geschafft: Er ist [seit Oktober 2005] Volontär bei der Berliner Zeitung. [...] Fähigkeiten, die ein Journalist unbedingt haben muss: ‘Genau recherchieren, sich Fakten und Daten merken können und Spaß an der Sprache haben’, sagt der Volo.

Für ihren gestrigen Leitartikel hat die Berliner Zeitung nun ganz tief in die Tasche gegriffen und nicht nur ihrem ex-Volontär eine eindrucksvolle Karriere bis hinauf auf die Titelseite ermöglicht, sondern sich auch eine “repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa” geleistet. Und deren Ergebnisse hat Schlandt faktengenau recherchiert.

82 Prozent der Bürger [stimmen] der Aussage zu, die Steuern für Benzin und Diesel sollten reduziert werden“, schreibt der Autor. Die Grafik daneben zeigt, daß 82 Prozent der CDU/CSU-Anhänger dieser Meinung sind. Die Anhänger von SPD, FDP, Grünen und Linken hat Schlandt also kurzerhand ausgebürgert, ebenso wie die ca. 50 Prozent der Bevölkerung, die Anhänger keiner der genannten Parteien sind. Sie sind wohl einfach keine ausreichend guten Deutschen.

Zu Wort kommen außer den wirklich guten Deutschen von der CDU/CSU dann noch die FDP, die Gewerkschaft Nahrung-Genuß-Gaststätten und natürlich der ADAC, der bereits in der Verkehrslobbyisten-Beilage zur BLZ vom Freitag, deren Fortsetzung mit anderen Mitteln dieser Leitartikel offenbar ist, eine nicht unwesentliche Rolle spielte. Sie alle finden die hohen Benzinpreise “bedrohlich” und unsozial, und der Beweis dafür ist, daß “ein Großteil der Autofahrer [...] aufgrund der hohen finanziellen Belastung bereits sein Fahrverhalten [ändert].”

Mit anderen Worten: die hohen Benzinpreise müssen weg, weil sie Wirkung zeigen. In Zeiten hoher Benzinpreise ist Klimaschutz nicht nur überflüssig, sondern wir können ihn uns einfach nicht leisten. Nur wenn die Deutschen ihr Fahrverhalten nicht ändern müssen, können wir ihn uns leisten. Dann also, wenn die Benzinpreise niedrig sind. Und nur dann ist ja der Klimaschutz auch sinnvoll. Sind die Benzinpreise dagegen so hoch, daß die Deutschen schon anfangen, ihr Fahrverhalten zu ändern, ist ja das Klima überhaupt nicht mehr bedroht. Dann ist Klimaschutz unnötig, und die Preise können gesenkt werden.

Wichtig ist auch noch, daß diese ganze Klimawandel-Debatte nicht immer zur Unzeit kommt. Klimawandel sollte nur stattfinden, wenn wir ihn uns auch leisten können, wenn also die Benzinpreise niedrig sind. Und vor allem, wenn wir am Klimawandel nichts ändern müssen, schon gar nicht über das Fahrverhalten und/oder die Benzinpreise. Und ich bin sicher, Jakob Schlandt, cri. (Christine Richter), ml. und sav. arbeiten schon daran, das hinzubiegen.

3 Kommentare zu “Klimawandel muß verschoben werden”

  1. sliqq

    Naja, sollen sie doch die Steuern senken, wenn der Staat sich das leisten kann….. Der müsste sich das Geld dann nämlich woanders holen, und das wird in der Unter- und Mittelschicht so langsam unmöglich.

    Der steigende Ölpreis und die Inflation werden trotzdem bewirken, dass das “Fahrverhalten” sich weiter ändert.
    Ich jedenfalls bin froh, nachts nicht mehr quietschende Reifen und getunte Motoren ertragen zu müssen.

  2. admin

    Genau.

    Daß die Autos tatsächlich weniger werden, merke ich allerdings bisher noch nicht so deutlich. Und der Anteil der dicken Autos steigt sowieso proportional zur Zahl der Townhouses und Luxuslofts. Wenn das Autofahren teurer wird, kann man sich endlich mit seiner Blechkiste wieder richtig abheben von den armen Schluckern.

    Andererseits gibt es natürlich auch Strecken, die muß man einfach mit dem Auto zurücklegen. So fuhr z. B. gestern der spanische König vom Brandenburger Tor zum Bundeskanzleramt…

  3. Neues vom Glöckner » Blog Archiv » Für Jakob Schlandt muß das Fahrrad erst noch erfunden werden

    [...] Geringerer als Jakob Schlandt von der Berliner (Bild-)Zeitung, der unermüdliche Kämpfer für die Idee, Umweltzerstörung müsse bezahlbar [...]

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