Wildes Berlin

20. Juni 2008

Nicht nur im Dschungel, nein auch im Dickicht der Städte lauern Gefahren. Namentlich im wilden Berlin. Am gefährlichsten ist dabei die sogenannte “Gleis-Wildnis“.

Was einen dort anspringt, sind allerdings nicht so sehr Panther und Leoparden als die Zeugnisse obrigkeitlicher Fürsorglichkeit.

Das Gelände, um das es geht, wurde übrigens erst vor wenigen Tagen “feierlich eröffnet“. 1,6 Millionen Steuerzahler-Euro hat es gekostet, “die 3,6 ha umfassende, bisher brachliegende Fläche nachhaltig zu sichern und als Parkanlage zu entwickeln und zu gestalten“. “Cirka 60 Bäume” sollen dabei neu gepflanzt worden sein. Das Ergebnis kommt mir an vielen Stellen kahler vor als vorher. Aber was sind schon zehn ungehobelte Brachland-Bäume gegenüber einem schönen, adretten Baumschulabgänger?

Auf der anderen Seite des Landwehrkanals haben am Montag angeblich die Arbeiten am Gleisdreieck-Park begonnen. Dort sollen tatsächlich “Vegetationsinseln erhalten” werden. Ist das nicht nett vom Senat? Aber bitte: erhaltet nicht zu viele. Wir alle wissen, wie gefährlich sie sind.

Am Kaiser-Wilhelm-Platz muß jetzt vor einer Eule gewarnt werden. Eulen fliegen bekanntlich auf Flutlicht. Bei den ulkigen Wasserhöckern im Vordergrund handelt es sich um die laut Plan 1,20 m hohe “Wasserwand“, die auf bisher ungeklärte Weise den Verkehrslärm “abschirmen” soll.

Zum Schluß noch eine Meldung aus der Wirtschaft: entgegen anderslautenden Behauptungen investiert der Berliner Senat massiv in die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Dabei soll - neben dem Mediensektor - insbesondere die Schildermalerei gestärkt und zu einem zweiten Standbein ausgebaut werden.

Ein Kommentar zu “Wildes Berlin”

  1. sliqq

    Immer wieder den Umweltschutz als Deckmäntelchen vorschieben, um gestaltend in die Umwelt einzugreifen - das gehört mit zu den traurigsten Kapiteln des Staatskapitalismus.

    Ich sehe das so: Wo nichts gebaut wird, da können auch keine Schmiergelder an hochbezahlte Staatsbeamte fließen - also muss gebaut werden, mit welcher Begründung auch immer.
    (Das soll eine abstrakte Analyse und kein Vorwurf im Einzelfall sein, schon gar nicht in den hier vorliegenden Fällen - man will sich ja nicht strafbar machen :)

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