Von der Vergeblichkeit des Sich-den-Arsch-aufreißens
15. Juli 2008Wozu?
In den 60er Jahren haben sich die Studenten für die Arbeiter den Arsch aufgerissen, mit dem Ergebnis, daß die gelernten Bildzeitungsleser beim Anblick eines Studenten nur “Rübe ab!” geschrien haben.
Sollte man einem Penner Geld geben, damit er einen im nächsten Moment beschimpft?
Sollte man einer sogenannten gemeinnützigen Einrichtung Geld geben, damit sie einen Laden anmietet und als erstes ein wertvolles Wandgemälde darin aus Dummheit überpinselt?
Sollte man sich den Arsch aufreißen, um für andere einen lebenswerteren Lebensraum zu erkämpfen, wenn die anderen sich doch viel wohler in der Scheiße fühlen, die sie von Geburt an kennen?
Sollte man jemandem die Augen öffnen, der gerne blind ist?
Wozu?
Am 18. Juli 2008 um 12:24 Uhr
Eine Lösung:
Man kämpft nie nur für die Anderen (die, die sich lieber zuscheißen lassen), sondern auch für die ureigensten Wünsche und Träume, zur eigenen Unterhaltung und ins Besondere für das Erlebnis, Nähe und Gemeinschaft (auf möglichst hohem Reflektionsniveau, nicht etwa als feiernde Meute) zu erfahren, sich mit Menschen und Träumen zu verbinden, die das Herz erwärmen und die Verstand und Körper handlungsfähig machen.
Eine Alternative:
Man gibt sich vollständig einer (verständlichen) Melancholie hin und fällt gelähmt in den Sessel zurück, sobald man erkennt, dass Rattenfängerei und Mafia in der Menschheitsgeschichte immer die Oberhand hatten - und wohl auch behalten werden.
Ein Fazit:
Emanzipation ist ein naiver Wunschtraum mit ein paar realistischen Momenten.
P.S.:
Ich höre hier im Exilpalast den ganzen Tag draußen die Flaschen klirren. Das erinnert an den Grad der Zuspitzung der sozialen Verhältnisse und mit wieviel Demut die Menschen zu reagieren bereit sind. Weckt mich das nun auf oder lähmt es mich?
Am 19. Juli 2008 um 21:30 Uhr
Es lohnt sich - man kommt wenigstens mit Ähnlichgesinnten in Kontakt, und seien sie eine noch so kleine Minderheit.
Man fühlt sich dann nicht so allein.
Am 20. Juli 2008 um 13:57 Uhr
So ein Artikelchen wie das hier ist natürlich nur aus einer bestimmten Situation heraus zu verstehen. Da ist “Bloggen” für mich einfach nur eine Möglichkeit, Dampf abzulassen. Prinzipiell habt Ihr mit Euren Einwänden natürlich recht.
Davon abgesehen: “Ähnlichgesinnte” ist ein schönes Wort. Und der Satz: “Emanzipation ist ein naiver Wunschtraum mit ein paar realistischen Momenten” gefällt mir auch.