Der Gott von Wolfgang Stock

25. August 2008

Wolfgang Stock ist Spezialist für Krisen-PR und Reputationsmanagement, wie wir vor einigen Tagen in Zusammenhang mit seinem Einsatz für die Lobbyisten-Universität “Global Energy Institute” zu erwähnen nicht umhinkamen (wobei das Wort “Lobbyist” angesichts der Tatsache, daß diese Damen und Herren längst im Zentrum der Macht angelangt sind und nicht mehr sie es sind, die in den Lobbies dieser Welt ihre Bücklinge und Kratzfüße vor den Politikern machen, sondern umgekehrt, fast wie ein Euphemismus wirkt).

Ein solcher Krisenkommunikator, lehrt uns die Wikipedia, ist jemand, der in Krisensituationen wie Tankerunfällen, Störfällen in Kernkraftwerken oder in Chemiefabriken (Bhopal) dafür sorgt, daß die positiven Seiten dieser Vorkommnisse in der Öffentlichkeit gebührend wahrgenommen werden und imageschädigende Verkündigung der Wahrheit möglichst unterbleibt.

Allerdings erfüllt der Krisenmanager Stock seine ehrenvolle Aufgabe nicht zwangsläufig im Auftrag von Umweltverbrechern und Wirtschaftskriminellen, sondern zum Beispiel auch im Auftrag eines höheren Wesens. Und was das für ein Wesen ist, erklärt er uns in einem Vortrag, den er 2005 vor christlichen Journalisten hielt.

Doch zunächst einmal: was ist überhaupt die Krise? - Die Krise ist, daß “Berichte über Glaube und Kirchen in den rund 40 meinungsbildenden Zeitungen, Magazinen und Fernsehsendern in Deutschland” kaum erscheinen. Die Zeitungen vom Montag berichten lieber über das gelungene Fußballspiel vom Samstag als über die gelungene Predigt vom Sonntag, “belegen Untersuchungen des ‘Medien Tenor’“, jener den Lesern dieses Blogs bereits bekannten Firma, bei der Wolfgang Stock Chefredakteur war und die vor allem durch ihre zwielichtigen Untersuchungsmethoden selbst zur Nachricht wurde (obwohl sie in dem hier vorliegenden Fall vermutlich richtig liegt). Und obwohl aus Umfragen bekannt ist, daß etwa zehn Prozent aller Bundesbürger vor dem Essen beten, ist in den Vorabendserien und Krimis beispielsweise kaum mal ein Betender zu sehen (wobei noch nicht einmal berücksichtigt wurde, daß die Zahl der Betenden unter Kriminellen und Polizisten, die ja das Gros des Krimi-Personals ausmachen, vielleicht in Wirklichkeit sogar noch höher liegt).

Aber es gibt Hoffnung, und die heißt - und an dieser Stelle muß ich meine Leser bitten, sich erst einmal bequem und umfallsicher hinzusetzen - BILD. “Die große Ausnahme ist die ‘Bild’-Zeitung,” schreibt Stock, “in der die Bibel, der Papst und kirchliche Themen öfters vorkommen. Doch wir Gebildeten sagen gerne: ‘Neben einem barbusigen Foto zählt das nicht!’ Ich bin mir allerdings gar nicht sicher, ob wir mit dieser pharisäerhaften Beurteilung Recht haben. Gott freut sich eher über eine Bibelstelle in einer millionenfach gelesenen Boulevard-Zeitung als darüber, dass Qualitätszeitungen oft auf beides verzichten - insbesondere auf die Bibelzitate und eine angemessene Berichterstattung über Millionen Gläubige.

Ich bin davon überzeugt, dass der Missionsbefehl nur erfüllt werden kann, wenn wir Journalisten das Unsrige dazu beitragen,” so Stock weiter, und “die ‘Bild’-Zeitung ist ein Beispiel dafür, wie wichtig einzelne Persönlichkeiten dabei sind: Wenn Deutschlands größtes Boulevardblatt häufig über den Glauben oder die Kirchen berichtet, geht das nicht unbedingt auf einen Wunsch des Springer-Verlages zurück. Es ist vielmehr die persönliche Entscheidung von ‘Bild’-Chefredakteur Kai Diekmann, der ein gläubiger Katholik ist.

Was können wir aus diesen Ausführungen lernen?

Erstens, daß Stock zu den Gebildeten gehört, und ich zum Beispiel nicht, denn während er “gerne” sagt: “Neben einem barbusigen Foto zählt das nicht!“, würde meine Aussage zum selben Thema etwa lauten, daß man als halbwegs anständiger Mensch das Schmuddelblatt nicht einmal mit der Kneifzange anfassen oder sich mit ihm den Hintern abwischen kann.

Zweitens, daß Stock, der Auserwählte, weiß, worüber Gott sich freut.

Drittens, daß es, so der Major der Reserve, der Stock auch ist, einen “Missionsbefehl” gibt, den es zu befolgen gilt - etwas, das viele heutige Christen vermutlich völlig vergessen haben. Manche von ihnen haben vielleicht nicht einmal gedient.

Und viertens schließlich, was das für ein Gott sein muß, der Gott von Wolfgang Stock.

Der Gott von Wolfgang Stock, das ist ein Gott mit einem riesengroßen Ego. So groß, daß es ihm scheißegal ist, ob er in einer Zeitung erscheint, die die Würde des Menschen permanent mit Füßen tritt, die an die niedrigsten Instinkte appelliert, die Haß sät und die Menschen und Völker gegeneinander aufhetzt, die Menschen nachstellt, sie belügt, beleidigt und in die Verzweiflung treibt, solange es nur die Zeitung ist, bei der als einziges die Auflage stimmt.

Dieser Gott, der Gott von Wolfgang Stock und Kai Diekmann, von Angela Merkel und Helmut Kohl, kann nicht der Gott von Jesus Christus sein. Jedenfalls nicht des Jesus Christus der Bergpredigt.

2 Kommentare zu “Der Gott von Wolfgang Stock”

  1. Allein gegen die BILD | Der Gott von Wolfgang Stock

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  2. bi-gasometer.de » Blog Archive » Luftnummer EUREF - Energieforum und Energie-Uni

    [...] der Presse lanciert werden derartige Stories übrigens von dem Imageberater der EUREF, einem etwas verschwörerisch daher kommenden Prof. Dr. Wolfgang [...]

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