Bundesanwaltschaft arbeitet unwirtschaftlich
10. Mai 2007Gestern haben, wie bereits vielfach gemeldet, ca. 900 Polizisten und 20 Staatsanwälte im Auftrag der Bundesstaatsanwaltschaft 18 Büros und Wohnungen von vermeintlichen Linksextremisten in Berlin, Hamburg und anderswo durchsucht. Die Aktion richtete sich laut Berliner Zeitung von heute gegen "20 Beschuldigte" aus dem "militanten linksextremistischen Umfeld, das [laut Bundesanwaltschaft] Anschläge gegen das Gipfeltreffen der acht führenden Industrienationen (G8) in Heiligendamm plane".
Natürlich freut es den Glöckner, daß es in unserer Gesellschaft offenbar doch noch Lebensbereiche gibt, in denen so etwas wie eine funktionierende persönliche Betreuung des Einzelnen gewährleistet ist. Hier kommen immerhin 45 Polizisten und ein Staatsanwalt auf einen Verdächtigten, ein deutlich anderes Verhältnis als beispielsweise das von Ärzten und Pflegern in Krankenhäusern zu Patienten.
Andererseits wurden bei der Aktion auch die Büros des "Umbruch-Bildarchiv" gestürmt und dort ein Buch beschlagnahmt, von dem die Polizei glaubt, daß sich "Autoren darin indirekt zu früheren Anschlägen bekennen". Dies hätte die Polizei nun auch ganz legal dadurch verifizieren können, daß sie das Buch einfach bei Amazon bestellt, statt die Büros zu stürmen und es dort zu stehlen beschlagnahmen, wie streim.de ganz richtig bemerkt. Den Steuerzahler zumindest wäre das mit EUR 20,00 erheblich billiger gekommen.
Eines hat die gestrige Aktion aber jedenfalls ganz klar gezeigt: Rechte wie das auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Schutz der Privatsphäre, etc. werden in Zukunft vielleicht in diesem Land nur noch auf dem Papier stehen. Und Berlin ist wieder ein Stück unfriedlicher geworden.
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