Lied eines (ehemals) werktätigen Berlin-Besuchers

10. November 2008

Von Arbeitern, Bauern und Staat war ich der erste.
Hab vor der Neuen Wache patrouilliert.
Im Stechschritt.
Wo jetzt die fette Frau sitzt,
war früher eine Flamme.
Wo ist die hin?

Heute schätze ich die ästhetischen Reize größerer Autos.
Im KaDeWe schätze ich die Parfümabteilung.
Dort lasse ich mich probebesprühen.

Der da, im KaDeWe-Schaufenster, der bin ich nicht.
Der da in den Papierkörben wühlt, der bin ich nicht.
Ich bin stolz, ein Arbeiter zu sein.
Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein.
Ich bin stolz!!

Außerhalb meiner Arbeitszeit habe ich wenig Zeit.
(Hallo! Wir wollen bestellen!)
Auch habe ich ein Recht auf Urlaub.
Mallorca, aber mit 4 Sternen.
Für Berlin müssen 2 Tage reichen.
An denen will ich alles sehen (was man so sieht).
Das steht mir zu.
Mamma mia!

Hier gibt es so viele fremde Nasen.
Haben sogar ihre eigenen Läden.
Bei uns gibt es das nicht.

Bei uns gab es die Vietnamesen.
Aber immer nur für begrenzte Zeit.
Dann haben wir sie wieder weggeschickt.

Dafür liebe ich die Schlösser.
Aber die neuen, die falschen.
Die sind einfach sauberer.

Wie man "Flagship Store" ausspricht,
weiß ich nicht.
Aber ich finde die cool.

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