Mein kleines Gleisdreieck
26. April 2009FÜRCHTET EUCH NICHT!

... sagen die Berliner Lokalpolitiker. Dabei gehen sie nicht über Wasser, sondern über Leichen. Die Leichen von unzähligen Pflanzen und Tieren nämlich, die ihrer Kahlschlagpolitik zum Opfer fallen.
Ich habe einige dieser Pflanzen gerettet und mit ihnen auf dem Balkon mein eigenes kleines Gleisdreieck gebaut, das ich, da Balkonblumen-Content sicher immer gut rüber kommt, hier kurz vorstellen möchte.


Bei mir gedeihen die Balkonblumen nicht auf Gartenerde aus dem Baumarkt, sondern auf Original-Kohlenstaub vom Gleisdreieck (rechter Topf) bzw. Sand (linker Topf). Auch dieser Sand ist kein gewöhnlicher Sand, sondern welcher, der sein besonderes Aroma durch die Füße unzähliger hochwertiger Trendsportler erhielt, welche auf dem Gleisdreieck der Kunst des ”Beach-Volleyball” huldigten. Wie auch beim Open-Air Hallenhandball und beim Indoor Sailing besteht beim Beach-Volleyball das Trendige darin, etwas genau da zu tun, wo die Voraussetzungen gerade nicht gegeben sind.
Die Beach-Volleyballer sind nun auch nicht mehr da, wo sie mal waren. Aber im Gegensatz zu Zilpzalp, Fitis und Konsorten, die ja keine Pacht entrichten, braucht man sich um ihren Fortbestand wohl keine Sorgen zu machen (weshalb ich sie auch nicht mit in meinen Blumentopf getan habe). Sie brauchten nämlich nur ein paar Meter weiter zu ziehen, auf die andere Seite der Fernbahntrasse, wo man ihnen im Dunstkreis der Anhänger des City Golfing ein großzügiges Domizil in 1a-Lage pflichteifrigst überlassen hat. ”Unumstritten ist wohl, dass nur mit solchen Projekten ein moderner Park in einer Stadt wie Berlin nachhaltig bewirtschaftet werden kann”, lautet die Erkenntnis, der mit dieser Entscheidung vollumfänglich entsprochen wurde. Allerdings stammt der zitierte Satz nicht, wie man vielleicht annehmen könnte, aus dem Ministry of Funny Talks der Ingeborg Junge-Reyer, sondern aus dem Begrüßungstext des neuen Gleisdreieck-Blogs, das doch eigentlich von Gegnern der derzeitigen Parkplanung gemacht wird.

Im Tunnel unter dem neuen Beach-Volleyball-Platz
Am 26. April 2009 um 14:41 Uhr
In diesertraurigen Angelegenheit u.v.a.m. ziehen sich meine Mundwinkel immer weiter nach unten...
Doch gestern Abend als ich Deinen Beitrag hier gelesen habe, lag ich vor lachen fast unterm Tisch.
Danke Dir, Du hast meinen Abend gerettet - einfach wunderbar geschrieben.
Herzliche Grüße
von der Baumfee
Am 27. April 2009 um 13:57 Uhr
Ja, liebe Baumfee, das mit den Mundwinkeln geht mir leider genauso.
Die beste Satire schreibt aber wohl die BZ (siehe Link ganz oben im ersten Satz zu dem Artikel ” Senatorin mit Gespür für Grün”). Da müssen bei der Redaktionssitzung im Juli 2007 ja auch alle vor Lachen unter dem Tisch gelegen haben...
Am 27. April 2009 um 19:46 Uhr
Den Link habe ich echt übersehen: Das wäre auch fast schon zuviel des Gelächters an einem Abend - bin entwöhnt.
...denn vor uns das letzte Stück des alten Kanals bis zum Oranienplatz wird erst 2009 kultiviert. Hier sieht es noch schlimm verschmutzt und verwahrlost aus...
Genau dieses Stück hat die BI ”Bäume für Kreuzberg” in neunmonatigem Einsatz vor der Kultivierung bewahrt.
Am 29. April 2009 um 15:05 Uhr
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