Das Gleisdreieck-Radio
3. Juli 2009Einige scheinen zu glauben, das Gleisdreieck sei wie ein großer Kuchen, den man nur in genügend viele Teile zu teilen brauche, dann habe jeder etwas davon. In Wirklichkeit ist es aber wie ein Radio, das der fruchtbare Großvater vererbt. Einer bekommt die Röhren, einer die Kondensatoren und Widerstände, einer den Senderwahlknopf, einer den Lautstärkeknopf, einer den Lautsprecher und einer das Gehäuse. So hat nun jeder etwas davon. Nur keiner hat mehr ein funktionierendes Radio.
Ein Stück vom Gleisdreieck-Radio ist unlängst wieder feierlich verteilt worden. An die Kinder diesmal. Sie haben einen ”Naturerfahrungsraum” (vulgo Spielplatz) bekommen. Der Naturerfahrungsraum besteht hauptsächlich aus Sand, wie er heute vorwiegend auf Baustellen vorkommt. Dazwischen steht ein neu gepflanztes Bäumchen, dessen Stamm von einem Verschlag aus Brettern umgeben ist, wie sie vorwiegend auf Baustellen vorkommen, und der das Bäumchen vermutlich am Weglaufen hindern soll. Einige der Sträucher von früher haben aber tatsächlich auch noch überlebt, was vielleicht der Tatsache zu verdanken ist, daß zumindest bei meinem Besuch die Zahl der dort spielenden Kinder ziemlich exakt Null betrug.
Damit aus den Kindern gute Untertanen werden, hat Grün Berlin gleich am Eingang eine große Tafel mit Dos and Don’ts angebracht.

Käfer und Schnecken dürfen gesammelt werden. Die stören eh nur beim Spielen.

Aber ohne Gewalt.

Zanken geht gar nicht. (Mit Volksvertretern wäre es ohnehin sinnlos.)

Das Beste ist aber wohl das schöne, neue Tor, das da im Gelände steht wie ein Telefonhörer ohne Telefon in einer Landschaft von Dalí.

Cornelia Wimmer findet im Gleisdreieck-Blog, daß das alte Gelände im Schwechtenpark der bessere Spielplatz war. Da konnte man noch echte Bienen bespielen.
Am 7. Juli 2009 um 01:15 Uhr
Da es in Sachen Bürgerbeteiligung in der letzten Woche viel zu tun gab (und nichts zu lachen), bin ich leider erst jetzt auf Dein Gleisdreieck-Radio gestoßen.
Ich bin immer wieder erstaunt und erfreut, wie wunderbar es Dir gelingt, bittere Angelegenheit süß darzubieten. Und es ist sehr befreiend, über Trauriges laut lachen zu können.
Am 7. Juli 2009 um 21:54 Uhr
Das Tor ist der Hammer
Am 13. Juli 2009 um 12:03 Uhr
Lieber Glöckner,
ich kann mich den Kommentaren der Baumfee und von JMCQ87 nur anschliessen.
Bleiben Sie dran - zanken Sie weiter !
Am 16. Juli 2009 um 10:33 Uhr
Hallo Glöckner,
das Neueste vom Gleisdreieck - auch das Tor konnte sie nicht abschrecken: Besoffene Dumpfbacken haben ein Bild der Verwüstung hinterlassen: der ”Kinder”-Bauwagen ist innen demoliert, der Bauwagen der Bildhauer ist völlig zerstört (muss abtransportiert werden, kennt Ihr jemand der das machen würde?) Glasscherben all over, Steinquader wurden zertrümmert, Zäune umgeworfen. Wenn Dummheit weh tun würde...
Eine Bitte an alle: Augen auf und reagieren, wenn Ihr ”verdächtige” Subjekte bemerkt! Wir lassen uns doch nicht jetzt auch noch das Gleisdreieck von irgendwelchen besoffenen Halbstarken kaputt machen!