Grünpflege mit der Kettensäge

25. März 2007

Wenn ich so von meinem Glockenturm auf Schöneberg hinabblicke, dann sehe ich da allenthalben etwas, das professionelle Medien wohl als “Schneisen der Verwüstung” beschreiben würden.

Zum erstenmal ist mir das Anfang letzten Jahres (oder war das noch früher?) in der Bautzener Straße aufgefallen. Damals wurden plötzlich die schönen, dichten Büsche, die die Straße auf einer Seite säumten, rigoros verstümmelt und den Anwohnern so der Blick auf einen rostigen Zaun und die Baracken eines heruntergekommenen Gewerbegebiets freigeschnitten.

Cherusker-Park davor

Der erste “große Coup” der Bezirksverwaltung, den ich dann mitbekommen habe, war der Cheruskerpark. Wie es früher mal dort aussah, ist auf dem obigen Foto dargestellt. Der heutige Zustand ist auf dem nachstehenden Foto aus der Grünen-Zeitschrift “Der Stichel” zu sehen.

Cherusker-Park danach

Im Stichel Nr. 188 (Mai/Juni 2006) war ein Artikel des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen Jörn Oltmann erschienen, in dem dieser die Zerstörung der Natur in diesem Park als Erfolg Grüner Bezirkspolitik unter der Federführung von Stadträtin Dr. Elisabeth Ziemer feierte. Ein Leserbrief (oder - wie die Grünen es nennen würden - “LeserInnenbrief”) von mir zu diesem - wie ich meine - grotesken Artikel wurde dann im Stichel Nr. 189 veröffentlicht. Eine der Reaktionen auf diesen Leserbrief kam vom Fraktionsvorsitzenden der FDP, Albert Weingartner, der mir von ähnlichen Aktivitäten aus früheren Jahren berichtete. Er schrieb u. a.: “Im Rudolph-Wilde-Park neben dem Rathaus Schöneberg ließ das Bezirksamt zwölf kerngesunde, über 50 (!) Jahre alte Erlen und Pappeln fällen, um die angeblich denkmalrelevante Sichtachse von 1912 (!) wiederherzustellen. Die Grünen scherte das überhaupt nicht. Einen Antrag der FDP-Fraktion, die skandalösen Vorgänge im Rudolph-Wilde-Park zu untersuchen und den Park wieder aufzuforsten, lehnten CDU, SPD und eben die Grünen unisono ab.” Aktionen wie die eingangs beschriebenen hatten also offenbar bereits Tradition im Bezirk.

Nelly-Sachs-Park davor

Vor kurzem nun schlug der bezirksamtliche Bäume- und Sträucher-Ripper erneut zu. Das erste Opfer: der Nelly-Sachs-Park (s. o.). Letztes Jahr konnte man dort noch Füchsen und Igeln begegnen. Jetzt wurde fast die Hälfte des Parks innerhalb kürzester Zeit in eine Schlammwüste verwandelt, die jeden Kriegsschauplatz in den Schatten stellt. Der Grund: durch den Park soll ein vier Meter breiter “Fernradweg” gebaut werden, der wohl die Maas mit der Memel verbinden soll. Tatsächlich sieht die Schneise eher danach aus, als solle sie Panzern einen schnelleren Zugang zum Potsdamer Platz ermöglichen. (Wie hieß noch gleich der deutsche Feldherr des 20. Jahrhunderts, der überall Prachtstraßen bauen wollte und als Erfinder der Autobahn gilt?)

Und nun zum jüngsten Opfer des generalstabsmäßig vorangetriebenen Naturvernichtungsplans, dem Kleistpark. Dort will der Umweltstadtrat einem Bericht der RBB-Abendschau vom 23.03.07 zufolge für 650.000 EUR ein “Gartenbaudenkmal” wiederherstellen, das offenbar - wie auch der Rudolph-Wilde-Park - hauptsächlich aus “Sichtachsen” besteht. Die Anwohner haben bereits 1000 Unterschriften gegen die Vernichtung des Biotops gesammelt. Der Bezirk aber will statt Pflanzen dort lieber “Informationstafeln” sehen. Ob die wohl auch Sauerstoff produzieren?

Ein Kommentar zu “Grünpflege mit der Kettensäge”

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    [...] im Nelly-Sachs-Park nun abgeschlossen zu sein scheinen, wird deutlich, worum es bei diesem als Fahrradweg deklarierten Projekt wirklich ging: dies ist ganz ohne Zweifel die von der CDU und FDP so vehement [...]

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