Film & Foto

4. November 2009

Bethanien (Südflügel): Daniel Schaub

Vom Rand der Wahrnehmung in die Mitte des Herzens” ist der Titel einer Ausstellung, die am 30.10.09 im Südflügel des Bethanien eröffnet wurde und die das ”Stadtlifting” brandmarken will. Die kühlen, klaren Fotos von Daniel Schaub zeigen Berliner Architektur der Moderne, Bauwerke, die bedroht sind, da sie im heutigen Bürgertum und der dieses vertretenden Politikerkaste kaum Fürsprecher finden.

In einer Zeit der sozialen Kälte sehnen sich die Menschen nach der Illusion von Geborgenheit, die die Attrappen der Vergangenheit vermitteln. Für die Herrschenden stehen diese Attrappen für eine Zeit, als man noch ungehemmt autoritär regieren konnte. Deshalb mußte der Palast der Republik dem Neubau des Stadtschlosses aus der Kaiserzeit weichen, deshalb wurde die Alu-Wabenverkleidung des Centrum-Warenhauses am Alexanderplatz durch die Naturstein-Monumentaloptik der Galeria Kaufhof ersetzt. Selbst das ICC steht wieder zur Disposition.

Ob die Bauten der Moderne in jedem Fall schön sind, ob sie für Gleichheit und sozialen Fortschritt stehen, wie Karin Baumert meint, oder ob das vielleicht nur im Osten der Fall war, darüber kann man sicher unterschiedlicher Ansicht sein. Einigkeit bestand aber wohl darüber, daß diese Architektur ehrlich war. Und Daniel Schaub setzt sie auf eine ganz eigene, manchmal humorvolle Weise in Szene, etwa, wenn er senkrecht an einer Fassade nach oben blickt und die geöffneten Fenster wie Formen aussehen, die aus dem Boden wachsen.

Musikalisch wurde die Vernissage vom ”Westmonster” gestaltet, das sich mit seinen formvollendet im Frack vorgetragenen schrägen Liedern, die irgendwo zwischen Chanson und Wasweißichwas angesiedelt sind, und seiner unnachahmlichen Mimik als großartiger Entertainer entpuppte.

Die Ausstellung dauert noch bis zum 27.11. Zur ”Finissage” wird (hoffentlich) auch das Westmonster ein weiteres Mal zu hören sein.

Haus der Kulturen der Welt: Kurzfilmfestival "Interfilm"

In etwas größerem Rahmen fand gestern im Haus der Kulturen der Welt die Eröffnung des 25. Internationalen Kurzfilmfestivals Interfilm statt. Über 6000 Einreichungen aus 110 Ländern hatte es gegeben, und über 500 dieser Kurzfilme werden bis Sonntag (zu relativ moderaten Preisen übrigens) an verschiedenen Veranstaltungsorten in Berlin zu sehen sein.

Wer bei der Eröffnung rote Teppiche, egozentrische Hollywood-Blondchen und langweilige Laudatien erwartet hatte, wurde ”enttäuscht”. Stattdessen gab es ein wahres Feuerwerk an Witz und Humor (vor allem auch dank des charmanten Conférenciers Adrian Kennedy), eine temperamentvolle weißrussische Band (KRIWI) mit gleich drei sexy Sängerinnen - und vieles andere mehr.

Festivalleiter Heinz Hermanns erzählte von seiner weltweiten Jagd nach guten Filmen, immer in Lebensgefahr schwebend und verfolgt von streunenden Hunden, madegassischen Aufständischen, italienischen Zuhältern und brasilianischen Straßenräubern. (In der von Kennedy verdolmetzgerten Fassung kam noch eine merkwürdige Shrimps-Vergiftung hinzu, von der ich im Original nichts gehört hatte.) Dieter Kosslick von ”jenem anderen Berliner Filmfestival” überreichte seinem Kollegen aus der Hausbesetzer-Szene in Anerkennung seiner Leistungen einen knallroten ”Kaschmir-Schal aus Japan” und konnte bei der Gelegenheit noch etwas lernen, z. B., daß es nur fünf Kontinente gibt und nicht sieben. Auch des Mauerfalls, der - wie man hörte - ohne die Existenz von Interfilm vielleicht nie stattgefunden hätte, wurde aus aktuellem Anlaß gedacht.

Die Kurzfilme, die bei der Eröffnung gezeigt wurden, näherten sich ihrem Thema - auch dem des Todes - der allgemeinen Stimmung des Abends entsprechend überwiegend von der heiteren Seite. Sie alle waren hervorragend gemacht, wie etwa der Zeichentrickfilm über die ”1-Minuten-Fliege”, die in ihrer kurzen Lebensspanne all das verwirklichen muß, was dem Leben einen Sinn verleiht, oder der Film, in dem Prager Altbauten in einer genialen Animation aus dem Boden wachsen.

Wenn es am Eröffnungsabend auch etwas zu kritisieren gab, dann höchstens die starke Präsenz der Sponsoren, deren Namen zeitweise in einer Endlosschleife über die Leinwand liefen. Werden wir das nochmal erleben, daß aus ”Sponsoren” wieder Mäzene werden, die sich freuen, mit ihrem Reichtum etwas Positives anfangen zu können, ohne gleich wieder einen materiellen Nutzen aus ihrem Engagement ziehen zu wollen? Denn dieses ”Sponsoring” ist ja im Grunde nichts als ganz profane Werbung. Wie schön wäre es, könnte Kultur in diesem Land noch ganz normal aus Steuermitteln finanziert werden und uns die ewige penetrante Selbstdarstellung irgendwelcher Konzerne und Organisationen erspart bleiben...

Die Preisverleihung des Internationalen Kurzfilmfestivals findet am 08.11. im Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz statt. Ich bin gespannt.

Haus der Kulturen der Welt: Kurzfilmfestival "Interfilm"

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