Statt Natur

5. Juli 2010

Eröffnung Cheruskerpark

Über zehn Menschen, ein Drittel von ihnen Sicherheitspersonal, ein weiteres Drittel Politiker und Mitarbeiter des Stadtplanungsamtes, strömten am 3. 7. in den neu gestalteten Cheruskerpark in Berlin Schöneberg, um bei höchst sommerlichen Temperaturen im Schatten alter Bäume und üppig wuchernder Sträucher den Schöpfern dieses landschaftsplanerischen Kleinods ihren unbeschreiblichen Dank auszusprechen. Auf Plakaten und Transparenten wünschten sie den Verantwortlichen alles Mögliche.

180.000 Euro

Alles für Müller?

Selbst ein Investor aus dem immer wieder erneuerbaren Energiesektor war zugegen und bot nachhaltig seine finanzielle Unterstützung an.

Noch ein Investor

Die Geehrten bedankten sich ihrerseits mit wertvollen Unterweisungen, bei denen das Volk sichtbar an ihren Lippen hing.

Eröffnung Cheruskerpark: Bernd Krömer, Oliver Schworck

Oliver Schworck (SPD, rechts) - Stadtrat für Rasenflächen, Asphaltflächen, Betonflächen, Steinflächen, Sauberkeit und Ordnung - erläuterte, daß es sich bei der Wildblumenwiese, die an der Nordspitze des GASAG-Geländes viele Jahre lang bestanden hatte, gar nicht um eine Wildblumenwiese gehandelt habe, sondern, wie vermutlich bei allen anderen von ihm von der Natur befreiten Flächen auch, um ”nicht mehr und nicht weniger als eine Sondermülldeponie”, auf der es keinen Spaß gemacht hätte, im Sommer zu liegen (was allerdings auch nie jemand vor hatte, zumal ja der Rest des Cheruskerparks bereits überwiegend in eine Liegewiese (= Rasenfläche) verwandelt worden war und hierfür zur Verfügung stand). Audio-Potpourri

Bernd Krömer (CDU) - Stadtrat für Hochhausbau und Aufwertung - lobte vor allem das Engagement der Financiers, denn ohne das Gewinnstreben Reinhard Müllers (zu dessen ”Beitrag” übrigens hier eine interessante Rechnung aufgemacht wird) und die Versenkung von Steuergeldern durch Bund und EU hätte der Bezirk den Bau der schnurgeraden Trasse durch die kahle Rasenfläche nicht stemmen können und der ”Aufwertungs”prozeß ”innerhalb und außerhalb des Grundstücks”, von Krömer diskret ”Veränderung” genannt, wäre womöglich langsamer verlaufen. So aber können wir von einem gelungenen ”Leuchtturmprojekt” sprechen. Von Signal- und Weichenstellungen brauchen wir zum Glück dank der übersichtlichen Wegeführung auf dem Gelände nicht auch noch zu sprechen. Audio-Potpourri

Wurden schon diese Ausführungen mit frenetischem Beifall bedacht, so schwappte die Stimmung beim anschließenden Auftritt einer eilig angeheuerten Gruppe minderjähriger türkischer Luftballonschwenker und eines erwachsenen Leierkastenmanns vollends ins Uferlose.

Selbst ein Stand war vorhanden, an dem eine vermeintliche Umweltschutzorganisation Flugblätter über sogenannte ”Stadtnatur” zu verbreiten trachtete. Nach dem Zusammenhang zwischen dieser Aktivität und der hier vorliegenden Parkgestaltung befragt, hieß es, auch Menschen seien Natur. Bezirksstadtrat Schworck hatte sich in seiner Rede u. a. bei der ”Naturschutzwacht Tempelhof-Schöneberg” und bei dem Verein ”Baumschlau e. V.” für ihre Mitarbeit bedankt. Die Herren an diesem Stand können aber wohl nur von dem Verein Strohschlau dort abgestellt worden sein. Oder von der Naturschutzschläft?

Die Volksvertreter verließen den schattenlosen Ort des Grauens durch eine Öffnung im Zaun zum angrenzenden Grundstück des Projektentwicklers, auf dem sicher ihre Limousinen geparkt waren.

(PS: Dank an Matthias Reichelt für die Überlassung seines Audio-Mitschnitts!)

Kommentare

  1. High Noon und Plan B | bi-gasometer.de

    [...] Glöckner hat schon alles gesagt: Es kam außer BI-Gasometer, Bezirksamt und vielen Mitarbeitern und [...]

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