Warum Hollywood-Filme so gut sind und die Armen an ihrer Armut selbst schuld sind

8. Juli 2007

Gestern habe ich hier über die Förderung des Stauffenberg-Films mit Tom Cruise durch den Beauftragten der Bundesregierung für Schund und Medien berichtet.

Natürlich hätte Bernd Neumann mit den 4,8 Millionen genau so gut einem deutschen Regisseur einen Dreh in Babelsberg ermöglichen können. Die Erfahrung zeigt jedoch, daß deutsche Regisseure meist viel zu sehr auf schauspielerische Leistung, gute Kameraarbeit etc. setzen, also auf Qualität statt Quantität. Wo ein Hollywood-Regisseur vielleicht 10 Autos in die Luft sprengt, ist es bei ihm nur eines, und wo ein Hollywood-Regisseur 300 Statisten ins sichere Verderben schickt, sind es bei ihm womöglich gerade mal 30. Aus arbeitsmarkt- und konjunkturpolitischer Sicht ist das natürlich schlecht.

Dazu fällt mir eine Episode ein, die ich vor Jahren einmal in Costa Rica erlebt habe.

Beim Herumstreunen waren wir an eine Art Mangrovenwald gekommen, wo ein Tica (so nennen sich die Bewohner Costa Ricas) vor einer Hütte saß und an einem Boot baute. Es war ein wunderschönes Boot, so wie die hölzernen Fischerboote, die es früher überall an Spaniens Küsten gab, nur eben nicht aus dem Holz, das deutschen Ikea-Fans die Freudentränen in die Augen treibt, also mit vielen Ästen und aus kleinen Stücken am Fließband liebevoll zusammengeleimt, sondern aus meterlangen Balken und Brettern aus tropischen Edelhölzern, die der Mann mit Hilfe eines selbst gebastelten Hebelmechanismus in Form gebogen hatte.

Ich fragte, für wen dieses schöne Boot sei, und der Mann antwortete: "Das wird verbrannt." Ich guckte ihn an wie einen psychisch Kranken. "Verbrannt?" - "Ja. Von den Yankees."

Im weiteren Verlauf des Gesprächs stellte sich dann heraus, daß das Boot für den Film "1492 – Die Eroberung des Paradieses" (mit dem unsäglichen Gérard Depardieu) bestimmt war, der vor der Küste Costa Ricas gedreht werden sollte.

Später habe ich mir diesen Film dann - entgegen meinen sonstigen Gepflogenheiten bezüglich Hollywood-Filmen - in Deutschland angesehen, nur um zu sehen, ob das, was mir der Bootsbauer in Costa Rica erzählt hatte, wohl stimmte, und tatsächlich gehen in diesem Schinken hunderte dieser schönen Fischerboote in Flammen auf.

Damit ist meine Geschichte aus Costa Rica aber noch nicht zu Ende. Nachdem wir uns von dem Tica verabschiedet hatten und uns schon ein Stück entfernt hatten, hörte ich, daß der Mann noch etwas sagte. ich drehte mich um, und da kam der kleine Sohn des Bootsbauers hinter uns her gerannt und überreichte uns ein Geschenk: ein selbst gebasteltes Mobile aus verschiedenen Muscheln. (Nein, er wollte uns das nicht verkaufen, sondern wirklich schenken.) Das hat uns dann vollends umgehauen. Die Armen beschenken die Reichen. Für die Neoliberalen dürfte das der beste Beweis sein für deren These, daß die Armen an ihrer Armut selbst schuld sind. Sie können einfach nicht "wirtschaften".

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