Archiv der Rubrik “Allgemeines”

Der Gott von Wolfgang Stock

Montag, den 25. August 2008

Wolfgang Stock ist Spezialist für Krisen-PR und Reputationsmanagement, wie wir vor einigen Tagen in Zusammenhang mit seinem Einsatz für die Lobbyisten-Universität “Global Energy Institute” zu erwähnen nicht umhinkamen (wobei das Wort “Lobbyist” angesichts der Tatsache, daß diese Damen und Herren längst im Zentrum der Macht angelangt sind und nicht mehr sie es sind, die in den Lobbies dieser Welt ihre Bücklinge und Kratzfüße vor den Politikern machen, sondern umgekehrt, fast wie ein Euphemismus wirkt).

Ein solcher Krisenkommunikator, lehrt uns die Wikipedia, ist jemand, der in Krisensituationen wie Tankerunfällen, Störfällen in Kernkraftwerken oder in Chemiefabriken (Bhopal) dafür sorgt, daß die positiven Seiten dieser Vorkommnisse in der Öffentlichkeit gebührend wahrgenommen werden und imageschädigende Verkündigung der Wahrheit möglichst unterbleibt.

Allerdings erfüllt der Krisenmanager Stock seine ehrenvolle Aufgabe nicht zwangsläufig im Auftrag von Umweltverbrechern und Wirtschaftskriminellen, sondern zum Beispiel auch im Auftrag eines höheren Wesens. Und was das für ein Wesen ist, erklärt er uns in einem Vortrag, den er 2005 vor christlichen Journalisten hielt.

Doch zunächst einmal: was ist überhaupt die Krise? - Die Krise ist, daß “Berichte über Glaube und Kirchen in den rund 40 meinungsbildenden Zeitungen, Magazinen und Fernsehsendern in Deutschland” kaum erscheinen. Die Zeitungen vom Montag berichten lieber über das gelungene Fußballspiel vom Samstag als über die gelungene Predigt vom Sonntag, “belegen Untersuchungen des ‘Medien Tenor’“, jener den Lesern dieses Blogs bereits bekannten Firma, bei der Wolfgang Stock Chefredakteur war und die vor allem durch ihre zwielichtigen Untersuchungsmethoden selbst zur Nachricht wurde (obwohl sie in dem hier vorliegenden Fall vermutlich richtig liegt). Und obwohl aus Umfragen bekannt ist, daß etwa zehn Prozent aller Bundesbürger vor dem Essen beten, ist in den Vorabendserien und Krimis beispielsweise kaum mal ein Betender zu sehen (wobei noch nicht einmal berücksichtigt wurde, daß die Zahl der Betenden unter Kriminellen und Polizisten, die ja das Gros des Krimi-Personals ausmachen, vielleicht in Wirklichkeit sogar noch höher liegt).

Aber es gibt Hoffnung, und die heißt - und an dieser Stelle muß ich meine Leser bitten, sich erst einmal bequem und umfallsicher hinzusetzen - BILD. “Die große Ausnahme ist die ‘Bild’-Zeitung,” schreibt Stock, “in der die Bibel, der Papst und kirchliche Themen öfters vorkommen. Doch wir Gebildeten sagen gerne: ‘Neben einem barbusigen Foto zählt das nicht!’ Ich bin mir allerdings gar nicht sicher, ob wir mit dieser pharisäerhaften Beurteilung Recht haben. Gott freut sich eher über eine Bibelstelle in einer millionenfach gelesenen Boulevard-Zeitung als darüber, dass Qualitätszeitungen oft auf beides verzichten - insbesondere auf die Bibelzitate und eine angemessene Berichterstattung über Millionen Gläubige.

Ich bin davon überzeugt, dass der Missionsbefehl nur erfüllt werden kann, wenn wir Journalisten das Unsrige dazu beitragen,” so Stock weiter, und “die ‘Bild’-Zeitung ist ein Beispiel dafür, wie wichtig einzelne Persönlichkeiten dabei sind: Wenn Deutschlands größtes Boulevardblatt häufig über den Glauben oder die Kirchen berichtet, geht das nicht unbedingt auf einen Wunsch des Springer-Verlages zurück. Es ist vielmehr die persönliche Entscheidung von ‘Bild’-Chefredakteur Kai Diekmann, der ein gläubiger Katholik ist.

Was können wir aus diesen Ausführungen lernen?

Erstens, daß Stock zu den Gebildeten gehört, und ich zum Beispiel nicht, denn während er “gerne” sagt: “Neben einem barbusigen Foto zählt das nicht!“, würde meine Aussage zum selben Thema etwa lauten, daß man als halbwegs anständiger Mensch das Schmuddelblatt nicht einmal mit der Kneifzange anfassen oder sich mit ihm den Hintern abwischen kann.

Zweitens, daß Stock, der Auserwählte, weiß, worüber Gott sich freut.

Drittens, daß es, so der Major der Reserve, der Stock auch ist, einen “Missionsbefehl” gibt, den es zu befolgen gilt - etwas, das viele heutige Christen vermutlich völlig vergessen haben. Manche von ihnen haben vielleicht nicht einmal gedient.

Und viertens schließlich, was das für ein Gott sein muß, der Gott von Wolfgang Stock.

Der Gott von Wolfgang Stock, das ist ein Gott mit einem riesengroßen Ego. So groß, daß es ihm scheißegal ist, ob er in einer Zeitung erscheint, die die Würde des Menschen permanent mit Füßen tritt, die an die niedrigsten Instinkte appelliert, die Haß sät und die Menschen und Völker gegeneinander aufhetzt, die Menschen nachstellt, sie belügt, beleidigt und in die Verzweiflung treibt, solange es nur die Zeitung ist, bei der als einziges die Auflage stimmt.

Dieser Gott, der Gott von Wolfgang Stock und Kai Diekmann, von Angela Merkel und Helmut Kohl, kann nicht der Gott von Jesus Christus sein. Jedenfalls nicht des Jesus Christus der Bergpredigt.

Sand im Getriebe, dafür zwei rosa Herzchen

Montag, den 11. August 2008

Wenn Bürger aufbegehren gegen willkürliche, unsinnige, vielleicht sogar menschenverachtende, die Lebensqualität vieler beeinträchtigende Entscheidungen und Pläne der Politiker und sich beispielsweise in Bürgerinitiativen zusammenschließen, ist das meist zu begrüßen. Der Kampf gegen solche unerträglichen Planungen kostet viel Zeit und Kraft, und früher oder später wird sich die Frage nach dem Erfolg der Bemühungen stellen.

Mindestens zwei Berliner Initiativen hatten in letzter Zeit Erfolge zu verzeichnen. Die Initiative Mediaspree versenken! konnte in einem Bürgerentscheid 87 % der Abstimmenden gegen die wahnwitzigen Pläne eines “Spree-Manhattan” mobilisieren, die Bürgerinitiative Gasometer konnte die Aufmerksamkeit von Öffentlichkeit und Medien auf die dubiosen Machenschaften im Dunstkreis des Gasometerprojekts lenken. Beide Initiativen haben Spekulanten und Profiteuren erfolgreich Sand ins Getriebe gestreut. Die Investoren müssen nun ihre Fahrt verlangsamen, vielleicht von ihren Lakaien den Sand aus dem Getriebe spülen lassen oder - im für die Bürger günstigsten Fall - sogar aussteigen und ihre Fahrt in einem anderen Rolls-Royce fortsetzen. Die Frage, die ich mir dabei - auch auf die Gefahr hin, mich wieder unbeliebt zu machen - stelle, lautet: reicht das?

Uneingeschränkt bejahen kann man diese Frage wohl nur, wenn man über die Gabe der selektiven Wahrnehmung verfügt oder nur seinen eigenen, eng umgrenzten Interessenbereich betrachtet. Zwar zeigt die arrogant aggressive, die Bürger offen diffamierende Art, wie Politiker wie Junge-Reyer, Sarrazin oder Baldow (alle SPD) sich derzeit in der Öffentlichkeit gebärden, daß sie sich in die Enge getrieben fühlen. Aber: die Fahrt geht in derselben Richtung weiter, von Einsicht keine Spur, und bei Gegenwind treten die Vermarkter des Lebens und der Welt nur umso kräftiger aufs Gaspedal.

Nehmen wir zum Beispiel diese Meldung aus der Berliner Morgenpost. “Berlin bekommt eine Energie-Universität,” heißt es da, “doch das [am Schöneberger Gasometer] geplante Projekt ‘Europäisches Energie Forum’ steht auf der Kippe.” Scheinbar eine gute Nachricht, zumindest für diejenigen, die einen weiteren Potsdamer Platz am Gasometer verhindern wollen.

In Wirklichkeit handelt es sich um eine verheerende Nachricht. Nicht, daß das Hirngespinst “Europäisches Energieforum” auf der Kippe steht, ist nämlich das Wesentliche, sondern daß hier ein gigantischer Lobbyisten-Brutkasten der Energiewirtschaft aufgebaut wird, mit potentiell verheerenden Folgen für die Opfer der daraus resultierenden Politik, die Menschen. Wo dieser Brutkasten entsteht, ob am Schöneberger Gasometer, an der Spree, auf einer Müllkippe in Brandenburg (wo er vielleicht noch am ehesten hingehört) oder sonstwo, ist dabei völlig sekundär.

Global Energy Institute” soll die Privatuniversität heißen, denn auch noch Deutsch zu lernen, dazu hat die crème de la crème der heutigen Akademikerschaft nun wirklich keine Zeit. “Hinter dem ambitionierten Projekt steht die Hamburger ‘Zeit’-Stiftung,” die “geistige Elite” unserer Gesellschaft also. “Die Bundesregierung unterstützt das Projekt, vor allem Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) haben Interesse an einer solchen Einrichtung, die auch als Denkfabrik und Politik-Beratung zu diesem Zukunftsthema fungieren soll.” Gedanken als Fabrikware? Im Fall von Steinmeier und Schavan ist dieses Outsourcing von Fließbanddenken der Eigenleistung vielleicht tatsächlich vorzuziehen. Als Sponsoren sollen die Automobilindustrie, Energieversorger und Ölkonzerne fungieren, also diejenigen, die die Energievorräte der Erde am schamlosesten ausgebeutet und vernichtet haben und die absolut null Interesse an Verzicht auf Energieverschwendung haben. Und das “Ziel ist, Studenten zu Energiegestaltern für Führungspositionen in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik auszubilden.

Das interessanteste Wort in diesem letzten Satz ist “Energiegestalter“. Wer solch ein Wort, wie es wohl nur aus der Buchstabensuppe eines Gehirnamputierten geschöpft worden sein kann, ohne Anführungszeichen verwendet, verrät dadurch mehr über seinen eigenen Geisteszustand, als ihm lieb sein kann. Und damit sind wir schon beim eigentlichen Thema.

Um angesichts des Erfolgs von Bürgerprotesten nämlich insgesamt optimistisch gestimmt zu sein, genügt es nicht, konstatieren zu können, daß den Mitverantwortlichen für eine negative Entwicklung Sand ins Getriebe gestreut wurde. Es muß zumindest eine negative Entwicklung in eine positive verkehrt worden sein. Man darf nicht mehr den Akteuren - um Korrekturen feilschend - immer verzweifelter in die verkehrte Richtung hinterherlaufen müssen, sondern die Fahrt muß - wie langsam auch immer - jetzt in die richtige Richtung gehen. Und der Hydra dürfen nicht für jeden abgeschlagenen Kopf zehn neue nachwachsen. Ein solcher Zustand läßt sich nach meiner Überzeugung aber nur durch ein radikales Umdenken in der gesamten Gesellschaft erreichen, das auch die Politiker zur Umkehr zwingt. Und von diesem Umdenken sind wir, wie der obige Morgenpost-Artikel stellvertretend für nahezu alle Medienberichte zeigt, weiter entfernt denn je.

In der Sprache spiegelt sich das Denken (oder eben das Fehlen desselben), und die Bereitschaft aller, nicht nur der Medien, die die herrschende Ideologie transportierenden und ansonsten inhaltsleeren Sprechblasen der Werbung (und heute ist alles Werbung) kritiklos unendlich zu vervielfältigen, nimmt nach meinem Eindruck trotz isolierter Erfolge einer Gegenbewegung unaufhörlich zu. Von einer allgemeinen Umkehr, einem Umdenken oder auch nur Hinterfragen, kann keine Rede sein. Selbst im Umfeld der Bürgerinitiativen ruft ein Begriff wie “Stadtumbau” kaum Gänsehaut hervor. Auch dort palavert man von “Aufwertung” der Flächen, die notwendig sei, und von “Nutzungskonzepten“, und man sagt “Brache” statt “Natur” und übernimmt damit die herrschenden Wertvorstellungen und die Terminologie der Ausbeuter, für die alles, auch Boden, Tier und Pflanze, nur dazu da ist, für eigene Zwecke mißbraucht und zu Geld gemacht zu werden.

Diese Haltung ist keine Minderheitsmeinung, und sie nimmt nicht nur nicht ab, sie wird von den meisten nicht einmal bekämpft oder als falsch erkannt.

Ein weiteres Beispiel: als das Hauptstadtblog eine Notiz zur Leuchtreklame am Gasometer brachte, dauerte es selbst an einem Sonntag mitten im Sommerloch nicht allzu lang, bis der erste Leserkommentar von dieser Qualität eintrudelte:

gaehn… typisch deutsche bedenkentraegerei [...] jetzt gab es eine testphase und keine beschwerden - reicht offenbar einigen querulanten immer noch nicht. berufsnoergler, was? [...] irgendwer hat immer etwas zu meckern. meinetwegen. schade, dass diesen leuten jedoch immer so viel raum eingeraeumt wird.

Auch solch ein Kommentar ist nicht das Ergebnis eines Unglücksfalls im Haushalt seines Verfassers. Auch er ist typisch für das “Denken” weitester Bevölkerungskreise (siehe auch hier). Und er ist, wie auch z. B. die inhaltlich vergleichbare Stellungnahme Ingeborg Junge-Reyers zu Mediaspree versenken, das Ergebnis jahrzehntelanger neoliberaler Gehirnwäsche, die nicht nur bei den Politikern, sondern auch bei der Mehrheit der Bevölkerung gegriffen hat.

Seit Helmut Schmidt ist dieses Land in der Hand der “Macher”. Es wäre höchste Zeit, den Machern das Zepter aus der Hand zu nehmen und es den “Denkern”, den “Bedenkenträgern”, “Querulanten” und “Berufsnörglern” von mir aus, wieder in die Hand zu geben. Das zu erreichen wäre die eigentliche Aufgabe. Aber es ist eine übermenschliche Aufgabe. Nicht nur, weil die Erreichung dieses Ziels in einer Demokratie die Einsichtsfähigkeit der Masse voraussetzen würde, einer Masse, der das Denken gerade über Jahrzehnte hinweg durch Glotze, Handy, MP3-Player, Sport, Internet und sonstige Kuchen und Spiele im Interesse der Reichen gezielt abtrainiert worden ist, sondern auch, weil es kaum noch Denker gibt. Und die, die es vielleicht noch gibt, die haben vermutlich inzwischen keine Lust mehr.

Nach so viel Bedenkenträgerei ist es nun Zeit für etwas Optimismus. In unserer “Rosa-Herzchen-Serie” holen wir uns den heute aus der Berliner Zeitung.

Die erste positive Meldung lautet: die SPD hat zwei neue Mitglieder. Louisa Tomayer (l.), 16, und Geraldine Richter, 16, sind den Jusos beigetreten. “Sozialismus ist halt schon ein krasses Ding,” werden sie in dem Blatt zitiert. “Besser wäre es, wenn man so ein gesundes Mittelding finden würde.

Die zweite aufbauende Nachricht erreicht uns aus Afghanistan. Dort wurde mit über 100 000 US-Dollar das Projekt “Skateistan” ins Leben gerufen, das “im Lauf von zwölf Monaten 60 afghanischen Schülern und Schülerinnen die Grundlagen des Skateboardens, Lehrtechniken, das Management von Skate-Parks sowie englische Sprachkenntnisse vermitteln” soll. Und dies noch dazu in der wärmenden Obhut ausländischer Beschützer.

Diese Meldung stimmt gleich aus zweierlei Gründen fröhlich. Zum einen ist es einfach wundervoll, daß nun den afghanischen Jugendlichen das schwere Los unser aller Vorfahren erspart bleibt, die allesamt ohne Skateboard ihr armseliges Dasein fristen mußten, zum anderen ist es tröstlich zu wissen, daß wir Deutschen mit unserer überwiegend unterbelichteten Jugend nicht alleine dastehen.

Von der Vergeblichkeit des Sich-den-Arsch-aufreißens

Dienstag, den 15. Juli 2008

Wozu?

In den 60er Jahren haben sich die Studenten für die Arbeiter den Arsch aufgerissen, mit dem Ergebnis, daß die gelernten Bildzeitungsleser beim Anblick eines Studenten nur “Rübe ab!” geschrien haben.

Sollte man einem Penner Geld geben, damit er einen im nächsten Moment beschimpft?

Sollte man einer sogenannten gemeinnützigen Einrichtung Geld geben, damit sie einen Laden anmietet und als erstes ein wertvolles Wandgemälde darin aus Dummheit überpinselt?

Sollte man sich den Arsch aufreißen, um für andere einen lebenswerteren Lebensraum zu erkämpfen, wenn die anderen sich doch viel wohler in der Scheiße fühlen, die sie von Geburt an kennen?

Sollte man jemandem die Augen öffnen, der gerne blind ist?

Wozu?

Entmenscht

Donnerstag, den 26. Juni 2008

Von den Medien hysterisiert, von den Politikern nationalsozialisiert, absurd bemalt und verkleidet als die Deppen, die sie sind: so sehen Sieger aus. Die letzte Hirnzelle im Fusel ertränkt, das Artikulationsvermögen auf zwei Silben beschränkt: Deuts-Land. Der Rest sind dumpfe Urlaute, Bellen, Brüllen, Blöcken, die als “tierisch” zu bezeichnen mir die Achtung vor der intelligenteren, nicht-menschlichen Kreatur verbietet.

Während die Meute manisch hupend die letzten Ressourcen verfährt, klaut ihr der Staat zu Hause im Auftrag der Reichen die letzten Ersparnisse. Sie wird es nicht merken.

Kein Problem, das alles, wenn man Fenster und Türen mit Brettern vernagelt und zu Hause bleibt. Etwas anders sieht es aus, wenn man z. B. nach einem Theaterbesuch…

…plötzlich ins Zentrum des Geschehens geworfen wird. So ähnlich müssen sich die Judenpogrome angefühlt haben.

Den Heimweg traten wir notgedrungen zu Fuß an. Die öffentlichen Verkehrsmittel waren unbenutzbar. Dabei wären wir beinahe noch im Dunkeln in einen Haufen Deuts-Land getreten.

So sehen Sieger aus! Sieg Heil! Ho-ho!

 
Weitere Informationen zu diesem wichtigen Spiel:

Igitt, Fußball! Igitt, Deutsche!
Dümmste Anzunehmende Fußball-Fans
Neues aus dem Land der Fußball-Kanzlerin

Kleines Lexikon der Alltagssprache 
Heute: Putzen

Mittwoch, den 25. Juni 2008

Als “Putzen” wird - stark vereinfacht ausgedrückt - die Tätigkeit bezeichnet, Materie, die man “Schmutz” nennt, von einem Ort ‘A’ an einen Ort ‘B’ zu verbringen.

Nehmen wir zum Beispiel an, die Materie namens “Schmutz” befände sich auf einem Fenster. In diesem Fall würde das Putzen, so habe ich mir sagen lassen, darin bestehen, den Schmutz mit einem sogenannten “Lappen” aufzunehmen. Dadurch wird das Fenster im Idealfall - und nur diesen wollen wir hier betrachten - “sauber” und der Lappen “schmutzig“.

Nun müssen wir den Lappen putzen. Dies geschieht, indem wir ihn in Wasser auswringen. Dadurch wird der Lappen sauber und das Wasser schmutzig.

Die Säuberung des Wassers wiederum erfolgt mit Hilfe einer Kläranlage. Diese wird anschließend von dem von ihr aufgenommenen Schmutz befreit, indem wir selbigen in komprimierter Form auf Feldern ausbringen oder ihn in Müllverbrennungsanlagen verbrennen. Von dort gelangt er durch Winderosion bzw. durch die Schornsteine der Müllverbrennungsanlage in die Luft und kann sich schließlich wieder auf unserem Fenster ablagern.

Wegen des Putzens werden - insbesondere in Teilen Süddeutschlands - noch heute immer wieder Kriege geführt.

Der Fachausdruck für “Putzen” lautet “Beschäftigungstherapie“.


Schmutzig


Sauber

Rosa-Herzchen-Tag

Mittwoch, den 11. Juni 2008

Verkehrtes Publikum,

es ist wieder Fußballzeit! Für viele von uns ist das ja eine Zeit des Innehaltens und Sich-an-den-Kopf-Fassens, und auch ich nutze gerne diese Zeit, um über mich und meine Leser nachzudenken.

Wie oft habe ich schon den Tag verflucht, an dem ich die Null-Euro-Domain weltuntergangs.info als Geschenk annahm. Hätte ich doch damals lieber etwas tiefer in die Tasche gegriffen und das-leben-ist-geil.com von der Porsche AG oder alles-wird-gut.de vom Bundeskanzleramt gekauft! Dann würden mir die Hausfrauen heute auf der Straße mit strahlenden Augen “Alles wird gut!” oder “Geil!” hinterher rufen, statt mit einem schälen Seitenblick hinter vorgehaltener Hand etwas von “Weltuntergang” zu nuscheln.

Manchmal wird auch gesagt, was ich schreibe, sei ja zuweilen fast lesbar, ABER DIE AUUUFMACHUNG…! Alles so DÜÜÜSTER…! Und wieder manchmal wird, während der Glöckner schon am Boden liegt, noch nachgetreten, und es fallen Sätze wie “Meiner Freundin gefällt Deine Site auch nicht!

Das ist natürlich bitter, und Abhilfe tut not. Wie könnte die aussehen? Ich glaube: positives Denken muß her! Be positive! (Nicht bezogen auf den Virus, natürlich.)

Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, in Zukunft ab und zu einen “Rosa-Herzchen-Tag” einzuschieben. Das soll ein Tag sein, an dem ich ausschließlich über positive Dinge berichte, Dinge, die meiner Leser Herz erfreuen und sie mit mir versöhnen.

Beginnen möchte ich mit einem kleinen Preisausschreiben, das Dir, lieber Leser, die Möglichkeit bieten soll, das eigene positive Denkpotential auszuloten und zu stärken.

Zu gewinnen gibt es als ersten Preis ein wertvolles Bild in Original-Ölgemälde-Optik, das einen röhrenden Hirsch an einem Bergsee vor dem Hintergrund von Eiger-Nordwand und Watzmann zeigt. Das Werk ist signiert “Alfred Hiller, Hamburg 1953″. Auf der Rückseite ist es direkt neben dem Aufkleber “Galeria Kaufhof” mit einer täuschend echten Widmung von Horst Köhler versehen, in der dieser einige tröstliche Verse von Hermann Löns zitiert.

Der zweite Preis ist nicht minder positiv. Es ist ein wertvoller Jubel-Perser, im Volksmund auch “Flokati” genannt. Die Jubel-Perser tragen ja ihren Namen bekanntlich, weil sie in einem besonders ursprünglich belassenen Bergdorf - in Flokati eben - von Kindern geknüpft werden, die immerfort lachen. Als Farben finden ausschließlich hellblau und rosa Verwendung, und die kleinen Knüpfer geben in ihrer fröhlichen Unbekümmertheit auch gern eine Extra-Ration Flor hinzu. Auch dieser Preis trägt auf der Rückseite die schon erwähnte exclusive Widmung Horst Köhlers direkt rechts neben dem Ikea-Etikett.

Doch nun zur Aufgabe. Sie lautet:

Erläutern Sie den Nutzen von Auschwitz unter besonderer Berücksichtigung von ethnischen, energetischen, medizinischen und arbeitsmarktpolitischen Gesichtspunkten.

Ich drücke allen meinen Lesern für die Bearbeitung dieses erhabenen Themas ganz fest die Daumen.

Zu den positiven Dingen des Lebens, die man nicht missen möchte, gehört natürlich auch die Mode. Hier eine Meldung aus unserem Ressort Lifestyle, Society & Youth:

Die H&M-Generation 16 minus zeigt wieder Hüfte.

Bei H&M findet man die neuen “Basic-Tops für unter das Blazer“, natürlich in den “aktuellen Waschungen“.

Und zum Abschluß des heutigen Rosa-Herzchen-Programms noch eine Meldung aus der Berliner Torstraße. Nachdem die Verwaltung die Gestaltung des öffentlichen Raums jahrzehntelang ausschließlich in die aufopferungsvollen Hände der Werbebranche gelegt hatte, in der Hoffnung, die Bevölkerung werde sich an dieser ein Beispiel nehmen, haben nun einzelne Bürger die Herausforderung angenommen. Ich finde, das Ergebnis kann sich sehen lassen, und die Werbebranche kann sich beruhigt in den wohlverdienten Ruhestand zurückziehen. Ich bitte sogar darum.

News Ticker

Dienstag, den 10. Juni 2008

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Die Amerikaner haben jetzt ein neues Großhirn. Der schnellste Rechner der Welt steht in Los Alamos, New Mexico. (Das ist der Ort, in dessen Nähe 1945 die erste Atombombe gezündet wurde.) Er soll zunächst “Klimamodelle testen”, um zu simulieren, wieviel Gifte man noch in die Atmosphäre pusten muß, um das Klima vollends zum Kippen zu bringen, dann das “Universum vermessen” und schließlich der “Atomwaffenforschung dienen”. Um das Universum vollständig zerbomben zu können, muß man es schließlich erst einmal vermessen. Logisch!
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PLAY-OUT-CENTER
ARD PLAY-OUT-CENTER
RBB IT - SYSTEME
rbb

steht jetzt auf einer Tafel vor einem gesichtslosen Neubau in Potsdam. Bei diesem Unternehmen wäre man wahrscheinlich schon für ein Kleinhirn dankbar, das das Gestammel in halbwegs akzeptables Deutsch überführt.
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Die Bürgerinitiative Gasometer lädt am Donnerstag, dem 12. 6., um 20:00 Uhr zu einer Informationsveranstaltung ins Schöneberger Rathaus. Zu dieser Veranstaltung sind alle eingeladen, die den “Stadtumbau” durch sogenannte Investoren nicht länger hinnehmen wollen.
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Biedermann ist der Brandstifter

Dienstag, den 3. Juni 2008

Wie heute bekannt wurde, ist die Genehmigung für das Riesenposter, das seit fast anderthalb Jahren das Bettenhaus der Charité verhüllt, vor fünf Monaten abgelaufen. Seit fünf Monaten werden Patienten im größten Universitätsklinikum Europas illegal bis elf Uhr nachts im Hellen und tagsüber im Dunkeln gehalten und bekommen zu ihren körperlichen Gebrechen noch Depressionen dazu bei dem Versuch, mal einen Blick aus dem Fenster zu werfen. Und die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung haben es nicht für nötig befunden, dieser gewissenlosen Bereicherung auf Kosten kranker Menschen Einhalt zu gebieten.

Angesichts solcher Vorkommnisse fällt es schwer, daran zu glauben, daß es sich bei dem Gebilde, in dem wir existieren, noch um einen Rechtsstaat handelt. Diejenigen, die solches zu verantworten haben, sind die wahren “geistigen Brandstifter“. Sie sind Schuld daran, wenn in Teilen der Bevölkerung der Glaube zu wachsen droht, eine menschenwürdige Gesellschaft könne nur noch durch Gewalt herbeigeführt werden.