Archiv der Rubrik “Berlin”

Mehr und bunter!

Sonntag, den 19. Oktober 2008

Im deutschen Ballermann “Berlin” findet derzeit ein weiteres Mal die große Kitsch-Kirmes statt, bei der echte Gebäude in Kulissen in den vier Grundfarben Rot, Blau, Magenta, Neon und Pink verwandelt werden. Auch gestern war wieder eine Rekordzahl von Kitsch-Kennern aus aller Welt auf den Rädern und Beinen, um sich das Spektakel reinzuziehen.
Von besonderer lichtkünstlerischer Schaffenskraft zeugte die vielerorts, wie z. B. Unter den Linden, geübte Praxis, nicht die Objekte, sondern ihre Betrachter anzustrahlen, indem man die Scheinwerfer in dem Boden …

Autofahrer verzweifeln an eigener Dummheit

Dienstag, den 14. Oktober 2008

“Viele Autofahrer parken schon aus Verzweiflung in der zweiten Reihe“, dichtete die Berliner (Bild-)Zeitung zu einem Artikel über die geplante Einrichtung von Parkzonen am Prenzlauer Berg. Mich hätte heute ein Autofahrer aus Verzweiflung beinahe umgefahren bei dem Versuch, sein Gefährt schnellstmöglich auf der einzigen noch freien Parkverbotsfläche des Blocks zu plazieren. Dann hat er mich angeschrien, was mir denn einfiele, auf der Welt zu sein.
Die Verzweiflung der Autofahrer ist die Verzweiflung über ihre eigene Dummheit. Denn erstens müßte der von …

Die Vision des Klaus Wowereit

Samstag, den 11. Oktober 2008

Als Gerhard Schröder (SPD) 1998 Kanzler wurde, ahnten die meisten noch nicht, daß es Lobby-Organisationen wie der Bertelsmann-Stiftung einmal gelingen würde, ein demographisches Problem im Land zu diagnostizieren, mit dessen Hilfe die Bedürfnisse der Versicherungswirtschaft durch Kürzung staatlicher Sozialleistungen befriedigt werden könnten. Inzwischen blicken wir auf eine Fülle weiterer Probleme zurück, die von Lobbyisten durch nachhaltiges Aufbrechen des lähmenden Umverteilungsstaus gelöst werden konnten. Allein das demographische Problem besteht weiterhin und steht so zur weiteren Verwendung zur Verfügung. Erst kürzlich forderte …

Der Glöckner angesichts der Jauchegrube - sprachlos

Freitag, den 10. Oktober 2008

Jahrelang habe ich Klaus Wowereit für einen … gehalten. Nach diesem Artikel in der Berliner Zeitung halte ich ihn für einen ….
“Wowereit brachte Pfizer gestern ein Begrüßungsgeschenk mit. Berlin als Regierungssitz sei ideal für Lobbyarbeit, und der Senat biete sich hierfür als Mittler an, sagte er.”
Da fällt mir wirklich nichts mehr ein. Nicht nur bekennt sich hier Wowereit frohen Mutes zum Lobbyismus mit all seinen verheerenden Folgen, nicht nur läßt er selbst den Funken eines Gespürs dafür vermissen, was es …

Fürchtet Euch nicht!

Freitag, den 10. Oktober 2008

Die Menschen in Schöneberg werden derzeit gebeutelt wie nie. Erst ist das ganze bei Lehman Brothers angelegte Geld futsch, dann trifft einen, während man gerade auf der sogenannten “Crellepromenade” steht und sich überlegt, in die Tiefe zu springen, auch noch ein Stromschlag. (Tagesspiegel und Berliner Zeitung berichteten.)
Mich haben diese Zeitungsmeldungen stark verunsichert. Warum habe ich diese Stromschläge nie gespürt?, frage ich mich. Warum gehöre ich nicht dazu?
Die Antwort kann wohl nur lauten: ich bin zu angepaßt. Die Stromschläge sind nämlich …

Fragen über Fragen

Donnerstag, den 2. Oktober 2008

“Warum denken wir nicht daran, das größte Solarkraftwerk in Tegel zu bauen?” fragt Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Ja, warum eigentlich nicht? Warum denken wir nicht daran, dort das seichteste Nichtschwimmerbecken Europas zu bauen, das größte Fitness-Center des Universums oder die abgefahrenste Gedenkstätte für die Opfer der Hunnenkriege? Was geht eigentlich in den Köpfen von Politikern vor, wenn sie nicht merken, daß sie in einer verkehrten Welt leben?
Um keine Zweifel aufkommen zu lassen: die Schließung der innerstädtischen Berliner Flughäfen ist richtig …

Baustellenimpressionen

Freitag, den 26. September 2008

Seit etwa vier Stunden versucht eine junge Frau verzweifelt, das demontierte Gerüst von der Baustelle gegenüber auf ihren Lkw mit Anhänger zu laden. Allein. Obwohl jeder weiß (oder wissen sollte), daß dies von einer Person allein, die die Teile zusammenschnüren, die Schlingen anlegen, den Kran bedienen und gleichzeitig die schwere Last mit der Hand führen soll, praktisch nicht zu bewerkstelligen ist. Jedenfalls nicht auf sinnvolle, zumutbare und ungefährliche Weise.
Währenddessen trippeln auf dem Bürgersteig ein paar Dämchen in glitzernden Ballettschühchen vorbei, …

Pech gehabt

Mittwoch, den 24. September 2008

Heute Vormittag fiel in Berlin an der Hohenfriedbergstraße Ecke Brunhildstraße mit leichtem Knirschen ein Baum um. Einfach so. Wie Thomas Dörflein. Not with a bang, but a whimper, um mit T. S. Eliot zu sprechen.
Kein sehr alter Baum war das, und auch keiner, der abgestorben war. Die Finger hatte man ihm regelmäßig geschnitten. (Bäume haben ja keine FingerNÄGEL, deshalb muß man ihnen die Finger schneiden.) Bei den Zehen war das nicht nötig gewesen, denn die waren unter dem Stein und …