Archiv der Rubrik “K. et al.”

Agenda 2020

Samstag, den 8. März 2008

Am Tag als der Stadtmond starb
Schaukelte auf der Kinderschaukel im Mauerpark
Ein Mann oder eine Frau.
Aus einer Plastiktüte
- kompostierbar wie alles zu der Zeit -
ragte ein Brotmesser.
Weiße Zähne senkten sich in graues Brot.
Dann folgte ein Schuß mit Phenobarbital.
Das war nicht verboten zu der Zeit
Denn es war tödlich.
Am nächsten Tag
Kam ein Bagger und räumte die Reste weg.

Der Mini-Krimi zum Ausschneiden und Sammeln. 
Folge 2: Das Kind von Büttgen

Mittwoch, den 27. Februar 2008

Personen:
Willy Maschke, ein Bauer, so um die 60
Marcel Maschke, sein Sohn, so um die 40
Kommissar Faulhaber
Vater und Sohn sitzen an einem großen Holztisch in der niedrigen Bauernstube. Auf dem Tisch stehen eine große Schüssel mit Hähnchenschlegeln und zwei Teller Suppe.
Willy:
Würdest Du bitte Deine Stiefel aus meiner Suppe nehmen?
Marcel:
Ich denke gar nicht daran. Du bist es schließlich, der mein Leben zerstört hat. Hast Du das schon vergessen? Wärst du und Charlotte nicht abgehauen damals, dann wäre ich in Golzow zur Welt …

Der Mini-Krimi zum Ausschneiden und Sammeln. 
Folge 1: Schock im Supermarkt

Dienstag, den 26. Februar 2008

Personen:
Maische Groß, eine Mutter
Börek Groß, ihr Kind
Zwei Polizisten
Lasse Salzig, ein Kunde
Stimme des Marktleiters
Maische steht in der Schlange an der Kasse des Supermarkts, vor sich den Kinderwagen, in dem der kleine Börek sitzt.
Maische (zu Börek):
Bleibst Du mal eben in der Schlange stehn? Ich hab noch was vergessen.
Keine Reaktion von Börek. Maische geht weg. Dumpfe Streichermusik.
Kamera schwenkt zur Decke des Supermarkts.
Plötzlich ein Schrei.
Maische:
Börek! Börek! Oh Gott!
Zoom mit der Handkamera in das verzerrte Gesicht der Mutter, dann Reißschwenk auf den leeren Kinderwagen.
Maische:
Polizei! …

K. und der Mann auf der Treppe

Mittwoch, den 16. Januar 2008

Als K. vom alten Lokschuppen zurückkehrte, war es schon dunkel. An den Straßenlaternen baumelten die Intelligenten. An einem Laternenmast lehnte eine laszive Schönheit mit langen Haaren und wirrem Blick. “Optimiert für 1600 x 1200 Pixel,” hatte man ihr auf die Stirn tätowiert. In einem dunklen Hauseingang auf der anderen Straßenseite wartete ihr “Beschützer”.
Als K. vorbeiging, streckte sie die Hand aus und lallte, daß sie ihr Handy verloren habe und Geld brauche. K. deutete nur wortlos auf die Reklamefolie mit der …

K. und die weibliche Radioaktivität

Dienstag, den 15. Januar 2008

Als K. das Zimmer betrat, stand sie beim Fenster. In der linken Hand hielt sie einen kleinen Spiegel. Mit der rechten versuchte sie, um ihre Oberlippe mittels eines Lippenstifts eine scharfe Begrenzungslinie zu ziehen, wobei sie sich bemühte, die Lippe in der Mitte, also da, wo sie sich am stärksten nach oben wölbt, also etwa unterhalb der Nase, noch etwas höher und spitzer erscheinen zu lassen als sie wirklich war. Ihre Lippen waren sehr rot.
Ihre Wangen dagegen fast weiß, und …

K.s Geburt

Dienstag, den 1. Januar 2008

Schon vor seiner Geburt wußte K., daß bald etwas Furchtbares geschehen würde. Dabei hatte er immer ganz stillgehalten und gehofft, man würde ihn einfach vergessen.
Doch dann, zwischen null und ein Uhr in der Nacht, packten ihn plötzlich die Backen einer riesigen Zange von beiden Seiten an seinem kleinen Kopf und zogen ihn aus seiner warmen, dunklen Höhle hinaus in das gleißende, kalte Licht einer Welt, die er hassen würde.

sgolB rebü nessiW s.K

Sonntag, den 30. Dezember 2007

.tseil enrov hcan netnih nov nam eid ,rehcüB dnis sgolB

K.s Himmelfahrt

Montag, den 24. Dezember 2007

Als K. wieder erwachte, war es schon Nachmittag, und er hatte Hunger. Mühsam richtete er sich auf. Sein Mantel war schwer vom Löschwasser. Er schleppte sich in die Küche, aber da war nichts Eßbares mehr zu finden. Der Toast war verbrannt und die Eier zu hart gekocht. Also mußte er anderswo suchen. Er tastete sich die Treppe hinunter zur Straße.
Im Grauen Frosch wollte man ihm nichts geben. Er rieche nach Löschwasser, und das sei noch geschmeichelt, sagte Gabi, und Sascha …